Den Hingucker des Morgens lieferte bei der Siemens-Bilanzpressekonferenz der Finanzvorstand: Joe Kaeser hatte sich seinen markanten Schnauzer über Nacht abrasiert. Die Gründe für diese Entscheidung ließ er im Dunklen, insinuierte aber auf eine Journalistenfrage bereitwillig die gewünschte Interpretation: "Wenn Sie schreiben, dass bei Siemens der Bart ab ist, ist das etwas verfrüht. Wenn Sie das aber als neuen Aufbruch werten wollen, ist das in unserem Sinne."
Ob das hilft, Aktienmärkte und Mitarbeiter von dem neuesten Schwenk des Managements zu überzeugen? Bis zum diesem Sommer hatte Siemens zwei Jahre lang insgesamt 8 Mrd. Euro in der Hoffnung auf ein Wachstum investiert, das so nicht eingetreten ist. Jetzt geht es stramm in die entgegengesetzte Richtung. Nun wollen Kaeser und Siemens-Vorstandschef Peter Löscher 6 Mrd. Euro an Kosten kürzen. Auch wenn die Konjunktur, von der Siemens als Investitionsgüterkonzern abhängt, immer schwerer vorherzusagen ist: Vorausschauende Planung sieht anders aus.
Der maue Ausblick auf das nächste Jahr erweckt vielmehr den Eindruck, der Siemens-Vorstand musste notgedrungen auf die Bremse treten. Denn im gerade begonnenen Geschäftsjahr wird der Umsatz des Konzerns voraussichtlich leicht schrumpfen.
Das kommt nicht völlig überraschend, weil der Auftragseingang 2011/12 trotz insgesamt passabler Rahmenbedingungen um 13 Prozent eingebrochen ist. Enttäuschend ist es trotzdem: Als Weltkonzern mit breiter Präsenz in den immer noch wachsenden Märkten Asiens sowie starken Weltmarktpositionen auf vielen Feldern - von Gasturbinen über Computer- und Magnetresonanztomografen bis zu Maschinensteuerungen - sollte Siemens die Stagnation der Wirtschaft in Europa eigentlich abfangen können. Die Weltwirtschaft soll nächstes Jahr immerhin noch um mehr als drei Prozent zulegen. Es ist noch nicht lange her, da wollte Löscher Siemens doppelt so schnell wachsen sehen wie die Weltwirtschaft.
Löschers Prognose illustriert abermals, dass Siemens im Wettbewerb zurückgefallen ist. So erwartet die Schweizer ABB ein leichtes Umsatzplus, der einstige Krisenkonzern Philips traut sich für 2013 sogar 4 bis 6 Prozent zu. Das Sparziel von 6 Mrd. Euro ist weit höher, als Analysten das erwartet hatten. Das ist nur zum Teil eine gute Nachricht. Siemens muss dagegen ansparen, nicht noch stärker den Anschluss zu verpassen. Wenn alles gut läuft, kann Siemens damit die zuletzt schon ziemlich dezimierte Ergebnisqualität gerade mal halten. Wenn alles gut läuft.
Das neue Unternehmensprogramm ist der Versuch, auch kommunikativ das Ruder herumzureißen und aus der Defensive zu kommen. Löschers "grüne" Strategie hat sich nicht ausgezahlt. Zuletzt hatten immer neue Sonderlasten, teilweise auch infolge hausgemachter Probleme, und Fehlgriffe wie die Solarthermie die Gewinne und die Stimmung verdorben.
Die Umsetzung ist allerdings kein Selbstläufer: Allein 3 Mrd. Euro will Siemens im Einkauf heben, indem man sich bei Entwicklung und Fertigung enger mit den Zulieferern abstimmt. Das ist bei so einem Riesenkonzern leichter gesagt als getan. Auch dass Siemens sein Geschäftsportfolio aktiver managen und ertragsschwache Randgeschäfte veräußern will, klingt einfacher als es ist. Wer soll all diese Geschäfte denn kaufen, zumal in konjunkturell schwachen Zeiten? In der Vergangenheit hat Siemens immer wieder Versprechungen, gerade mit Blick auf Wachstum und Ergebnisqualität, nicht einhalten können. Auch das neue Sparziel ist daher besser mit Vorsicht zu genießen.
Wie lange werden die überbezahlten Herrschaften im SIEMENS Vorstand noch mit Fehlprognosen davon stehlen können? Es ist an der Zeit das Siemens einen neuen Vorstand einsetzt!