EADS will kurzfristig entscheiden, ob sich der Luftfahrtkonzern erneut um den Milliardenauftrag für neue US-Betankungsflugzeuge bewirbt. "Wir können sagen, dass die Entscheidung, ob wir bieten, voraussichtlich in den nächsten zwei bis drei Wochen fällt", sagte Airbus-Chef Thomas Enders der FTD am Rande einer Veranstaltung. Anders als bislang wolle EADS aber nicht als Juniorpartner, sondern als Hauptanbieter in einem Team antreten, sagte er.
Mit einer erneuten Bewerbung um den 35-Mrd.-$-Auftrag für zunächst 179 Betankungsflugzeuge der US-Luftwaffe käme es zum direkten Bieterkampf mit dem US-Rivalen Boeing . Enders betonte jedoch, dass die Wirtschaftlichkeit Vorrang habe: "Sollten wir tatsächlich noch einmal antreten, dann würden wir bestimmt kein tollkühnes Angebot machen und die Firma verwetten. Risiken und auskömmliche Margen würden im Vordergrund stehen."
Er verwies auf die Verluste, die dem Konzern aus dem Auftrag für den Militärtransporter A400M entstanden sind - der ebenfalls über einen Festpreisvertrag vergeben wurde: "Ein Dumpingangebot wird es mit mir nicht geben. Es geht schließlich auch nicht um Leben oder Tod für Airbus."
Die Europäer hatten sich 2005 mit dem US-Konzern Northrop Grumman verbündet, um zumindest als Juniorpartner an den US-Großauftrag zu kommen. Nachdem das transatlantische Team 2008 den Zuschlag bekam, protestierte Boeing, sodass Northrop der Sieg aberkannt und der Auftrag neu ausgeschrieben wurde. Der neue Northrop-Chef Wes Bush erklärte daraufhin den Ausstieg aus dem Projekt, und EADS musste zwangsläufig mit aufgeben.
Offenbar stößt sich das US-Verteidigungsministerium nun aber daran, dass Boeing als einziger Bieter übrig geblieben ist. "Das Pentagon hat uns gebeten zu prüfen, ob wir nicht doch anbieten wollen, und zwar diesmal aus der Prime-Contractor-Rolle heraus. Das ist der entscheidende Unterschied", sagte Enders über den Sinneswandel.
Der Airbus-Chef räumte jedoch seine Skepsis über die Aussichten ein. "Selbst wenn wir eine Fristverlängerung von einigen Monaten eingeräumt bekämen, wird es äußerst schwierig sein, ein wettbewerbsfähiges Angebot abzugeben. Wir brauchen immer noch einen leistungsfähigen US-Partner und eine kompetente Mannschaft zur Erstellung des Angebotes." Erstmals gebe es aber Einblick in Dokumente, die bisher verschlossen waren.
Er deutete an, dass der Konzern aus Kapazitätsgründen einen US-Partner als Juniorpartner mit an Bord holen würde. "Angesichts der für uns nachteiligen Ausschreibungsbedingungen - und die werden wohl auch nicht geändert werden - wäre das Ganze schon mit Northrop Grumman und unserem eingespielten Team kein Spaziergang gewesen", sagt Enders. "Alleine beziehungsweise mit einem neuen Partner und unter hohem Zeitdruck einen siegreichen Vorschlag zu erarbeiten wird um ein Vielfaches schwerer sein." Wer der neue Partner werden könnte, verriet Enders nicht.