Wenn ein Auto erst einmal als Frauenauto gilt, hat der Hersteller ein Problem. Denn die meisten Frauen wollen gar kein reines Frauenauto - und die Männer schon gar nicht. Was das bedeutet, musste Volkswagen in den vergangenen Jahren mit der ersten Version des Beetle erleben: Er wurde zum Ladenhüter. Der neue Beetle ist nun wesentlich kantiger und breiter. Männlicher eben. Männlich ist auch der Mini, aber anders. In US-Großstädten wie New York und San Francisco gilt er als Lieblingsauto der Schwulen, und das schadet ihm bislang keineswegs. Im Gegenteil: Der Mini verkauft sich ausgezeichnet.
Ob die Manager von General Motors (GM) wohl an den süßen, kleinen Mini dachten, als sie sich dazu entschieden, ihr Elektroauto Chevrolet Volt in der Juni-Ausgabe des Schwulenmagazins "Between the Lines" zu bewerben? Für ausgesprochen günstige 750 Dollar schaltete GM eine ganzseitige, farbenfrohe Anzeige in dem Blatt. Sie zeigt - vor einem knalligen lila Hintergrund - den Chevy Volt, der zwei traditionellen GM-Modellen gesteht: "Mom, Dad, I'm electric."
Ein kleiner Werbegag für eine kleine, zahlungskräftige Zielgruppe. Dachte man sich bei General Motors in Detroit. Schließlich haben amerikanische Marktforscher festgestellt, dass homosexuelle Paare 2011 im Durchschnitt 120.600 Dollar verdient haben und damit deutlich mehr als heterosexuelle. Zudem legen sie überdurchschnittlich hohen Wert auf moderne, verbrauchsarme und zugleich schicke Großstadtautos. Modelle wie den Mini eben. Oder den Chevrolet Volt.
Was dann passierte, hatten die Marketingmanager von GM allerdings nicht erwartet: Die vermeintliche Sparwerbung in "Between the Lines" entpuppte sich als viraler Volltreffer und fand sofort ihren Weg ins Internet und die Onlinenetzwerke. Jetzt geht sie um die Welt, wurde bereits elf Millionen Mal geklickt und verleiht dem großen und eher konservativen GM-Konzern zumindest für einen Augenblick ein frech-witziges Image.
Ob sich die Automanager in Detroit über den Trubel freuen, ist nicht bekannt. Schließlich könnten heterosexuelle Käufer im konservativen Amerika abgeschreckt werden, sollte der Volt zum neuen Liebling der Schwulen avancieren. Nach außen hin gibt sich GM ausdrücklich tolerant: "Was auch immer deinen Motor antreibt", ist mehrdeutig unter der Anzeige zu lesen, "du hast unsere hundertprozentige Unterstützung."