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Merken   Drucken   13.12.2011, 11:32 Schriftgröße: AAA

Zu geringe Zinsen: Versicherer meiden die Bundesanleihe

Die niedrigen Renditen decken nicht länger die Zinszusagen gegenüber den Kunden. Die Gothaer setzt stattdessen auf französische und österreichische Papiere. Der Versicherer ist aus Angst vor einer Inflation zum Kurzfristanleger geworden. von Herbert Fromme 
Die Gothaer kauft zurzeit keine Bundesanleihen. "Ich habe nicht das Gefühl, dass irgendwer anders in der Versicherungswirtschaft das im großen Stil tut", sagte Vorstand Jürgen Meisch. Er verantwortet die Kapitalanlagen des Konzerns in Höhe von derzeit 24 Mrd. Euro. Mit der Zinshöhe von Bundesanleihen - derzeit 2,1 Prozent für zehnjährige Anleihen - könne die Assekuranz ihre Zinszusagen an die Kunden ihrer Lebens- und Krankenversicherer nicht erfüllen.
Die Lebensversicherer geben ihren Kunden Zinsgarantien, die sich im Marktschnitt auf 3,2 Prozent belaufen. In der privaten Krankenversicherung müssen sie die Alterungsreserven mit 3,5 Prozent verzinsen. "Wir kaufen Anleihen von Frankreich und Österreich, auch Unternehmensanleihen", sagte Meisch.
Die Gothaer legt seit mindestens zwei Jahren kurzfristiger an als viele Konkurrenten. Die mittlere Laufzeit der Papiere beträgt 5,4 Jahre - bei manchen Rivalen liegt sie bei sieben Jahren und mehr. Meisch rechnete in der Vergangenheit mit einer baldigen Inflation und höheren Zinsen - dann wäre er als Kurzfristanleger tatsächlich im Vorteil gewesen. "Wir haben damals die Inflation viel früher erwartet", gestand Meisch am Montag ein. Doch könne das Unternehmen trotzdem 2011 die Nettoverzinsung seiner Kapitalanlagen über die 3,9 Prozent aus dem Jahr 2010 steigern, mit denen die Gothaer 0,3 Prozentpunkte unter dem Marktschnitt lag.
Das Unternehmen wollte am Montag keine Prognose für den Gewinn 2011 abgeben. Dafür seien die Unsicherheiten durch die Finanzkrise zu groß, sagte Konzernchef Werner Görg.
Nach heutiger Sicht schreibt der Konzern seine 97 Mio. Euro griechischer Staatsanleihen auf 50 Prozent ab. "Wir nehmen auch Abschreibungen auf Nachranganleihen von Banken vor", sagte Meisch und nannte dabei Papiere der Commerzbank , der portugiesischen BCP und der belgisch-französischen Dexia .
Beim Umsatz erzielte die Gothaer 2011 ein Plus von 2,7 Prozent auf 4,11 Mrd. Euro. Der Gesamtmarkt erwartet einen Rückgang um 1,2 Prozent. Görg kündigte an, dass die Gothaer nach der Übernahme des polnischen Versicherers PTU im Jahr 2010 nach weiteren Erwerbungen in Osteuropa Ausschau hält. Zu den möglichen Zielländern gehört auch Rumänien.
  • Aus der FTD vom 13.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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