Die Gothaer kauft zurzeit keine Bundesanleihen. "Ich habe nicht das Gefühl, dass irgendwer anders in der Versicherungswirtschaft das im großen Stil tut", sagte Vorstand Jürgen Meisch. Er verantwortet die Kapitalanlagen des Konzerns in Höhe von derzeit 24 Mrd. Euro. Mit der Zinshöhe von Bundesanleihen - derzeit 2,1 Prozent für zehnjährige Anleihen - könne die Assekuranz ihre Zinszusagen an die Kunden ihrer Lebens- und Krankenversicherer nicht erfüllen.
Die Lebensversicherer geben ihren Kunden Zinsgarantien, die sich im Marktschnitt auf 3,2 Prozent belaufen. In der privaten Krankenversicherung müssen sie die Alterungsreserven mit 3,5 Prozent verzinsen. "Wir kaufen Anleihen von Frankreich und Österreich, auch Unternehmensanleihen", sagte Meisch.
Die Gothaer legt seit mindestens zwei Jahren kurzfristiger an als viele Konkurrenten. Die mittlere Laufzeit der Papiere beträgt 5,4 Jahre - bei manchen Rivalen liegt sie bei sieben Jahren und mehr. Meisch rechnete in der Vergangenheit mit einer baldigen Inflation und höheren Zinsen - dann wäre er als Kurzfristanleger tatsächlich im Vorteil gewesen. "Wir haben damals die Inflation viel früher erwartet", gestand Meisch am Montag ein. Doch könne das Unternehmen trotzdem 2011 die Nettoverzinsung seiner Kapitalanlagen über die 3,9 Prozent aus dem Jahr 2010 steigern, mit denen die Gothaer 0,3 Prozentpunkte unter dem Marktschnitt lag.