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Merken   Drucken   10.05.2012, 18:40 Schriftgröße: AAA

Neues russisches Modell: Ursache für Superjet-Absturz könnte Pilotenfehler sein

Russlands modernstes Passagierflugzeug Superjet 100 ist bei einem Werbeflug in Indonesien abgestürzt. Rettungskräfte haben das Wrack gesichtet - keiner der 50 Menschen an Bord überlebt.
© Bild: 2012 AFP/INDONESIAN AIR FORCE
Russlands modernstes Passagierflugzeug Superjet 100 ist bei einem Werbeflug in Indonesien abgestürzt. Rettungskräfte haben das Wrack gesichtet - keiner der 50 Menschen an Bord überlebt.

Das in Indonesien am Mittwoch verschollene russische Flugzeug ist abgestürzt. Rettungstrupps sichteten das Wrack am Donnerstagmorgen in einer Gebirgskette bei Bogor unweit der Hauptstadt Jakarta vom Helikopter aus, berichtete der Chef der Rettungsbehörde, Daryatmo. Hunderte Helfer waren auf dem Weg zur Unglücksstelle. An Bord der hochmodernen russischen Maschine waren 50 Menschen. Es habe keine Überlebenden gegeben, sagte ein Sprecher der Firma, die den russischen Flugzeughersteller Suchoi in Indonesien vertritt, am Donnerstag. Am Flughafen Halim in Jakarta, wo die Maschine gestartet war, trafen aufgelöste Angehörige der Passagiere ein.

Nach Angaben des Flugzeugherstellers Sukhoi wurde das Modell zum Zeitpunkt des Absturzes von sehr erfahrenen Piloten gesteuert. Im Cockpit saß der Chef-Test-Pilot der Gesellschaft, Alexander Yablontsev, sowie sein Kollege Alexander Kochetkov.

Russische Sukhoi Absturz eines Superjets

In Expertenkreisen wird über einen Pilotenfehler als Ursache für den Absturz des russischen Superjet 100 spekuliert. Die Vermutung wird durch Fotos genährt, die vor dem Start des Passagierjets zum Unglücksflug am Mittwoch im Cockpit aufgenommen wurden. Danach war ein besonderes Warnsystem über Geländehindernisse (TAWS) ausgeschaltet.

Dies sei eine ungewöhnliche Schalterstellung, schreibt ein Experte im Internet-Fachblog airliners.net. Möglicherweise habe der Pilot das System ausgeschaltet, weil er bei einem vorgehenden Demonstrationsflug bei guten Sichtbedingungen in dem bergigen Gelände um die indonesische Hauptstadt Jakarta sonst häufiger durch Warnhinweise gestört worden wäre, heißt es. Die Fotos aus dem Cockpit liegen vor, weil an beiden Demonstrationsflügen auch Medienvertreter und Fotografen teilnahmen.

Das abgestürzte Modell sei im Juli 2009 erstmals geflogen und habe bislang über 500 Flüge absolviert. Zu möglichen Ursachen des Absturzes nimmt die Gesellschaft keine Stellung. Das Flugzeug ist womöglich in der Luft oder beim Aufprall auseinandergebrochen.

"Alles nicht professionell abgelaufen"

Die Absturzstelle liegt in unwegsamem Gelände an den Hängen des 2200 Meter hohen Vulkans Salak südlich der Hauptstadt Jakarta, sagte ein Sprecher der Luftwaffe.

Das Flugzeug vom Typ Suchoi Superjet 100 war bei einem Demonstrationsflug für potenzielle Käufer am Mittwoch von den Radarschirmen verschwunden. Zum Zeitpunkt des Unglücks nieselte es in der Region und es soll dichten Nebel um den Vulkan Salak gegeben haben. Die erste Suche am Mittwoch musste wegen schlechten Wetters abgebrochen werden.

Die Firma, die Suchoi in Indonesien repräsentiert, korrigierte die Zahl der Insassen auf 50. Zunächst war von 46 Menschen an Bord die Rede gewesen. Die Behörden veröffentlichten keine Passagierlisten, weil einige, die auf dem Flug sein sollten, doch nicht dabei waren und andere ihre Plätze einnahmen. "Das zeigt doch, dass das alles nicht professionell abgelaufen ist", sagte Iszirta Rahman dem Nachrichtenportal Detik.com. Sein Bruder sei an Bord gewesen.

Unter den Passagieren waren nach indonesischen Angaben Vertreter der russischen Botschaft, Mitarbeiter von Fluggesellschaften und Journalisten. Die Maschine ist das erste Passagierflugzeug, das seit dem Zerfall der Sowjetunion in Russland entwickelt wurde und sollte anderen Mittelstreckenanbietern wie Bombardier (Kanada) und Embraer (Brasilien) Konkurrenz machen.

Das Flugzeug war am Mittwochnachmittag (Ortszeit) in der Nähe von Jakarta zu seinem zweiten Demonstrationsflug gestartet. 21 Minuten später verschwand es vom Radar. Die Piloten hatten nach Angaben der indonesischen Flugwacht kurz zuvor um Genehmigung gebeten, ihre zugewiesene Flughöhe zu verlassen. Sie wollten auf 1800 Meter gehen. Einen Grund nannten sie dafür nicht

Erst vor kurzem hatte die Zivilsparte des Kampfjet-Herstellers Suchoi die offizielle Zulassung für die Europäische Union erhalten. Allerdings hatten Triebwerksprobleme die Auslieferung des Fliegers bislang verzögert.

  • FTD.de, 10.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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