Das Bekenntnis führender europäischer Notenbanker und Politiker zum Euro hat bei Börsianern Hoffnungen auf eine Überwindung der Schuldenkrise genährt. Die Aktienmärkte setzten am Freitag ihren Erholungskurs fort. Investoren griffen auch zu Staatsanleihen krisengeschüttelter Staaten wie Spanien oder Italien. Der Euro kletterte zeitweise auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1,2377 Dollar.
Anleger stützten ihren Optimismus unter anderem auf Aussagen der Bundeskanzlerin Angela Merkel und des französische Präsidenten Francois Hollande. Sie hatten in einer Erklärung im Anschluss an ein Telefonat betont, sie seien "entschlossen, alles zu tun, um die Eurozone zu schützen."
"Das klingt genauso wie die Aussage des EZB-Chefs Mario Draghi", sagte ein Börsianer. "Ich interpretiere die Äußerungen dahingehend, dass Deutschland seinen Widerstand gegen die Bekämpfung der Schuldenkrise mit noch mehr Schulden langsam aufgibt." Am Donnerstag hatte EZB-Chef Mario Draghi unter anderem gesagt: "Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten."
Der DAX verabschiedete sich 1,6 Prozent fester bei 6689,40 Punkten ins Wochenende. Im Vergleich zum vergangenen Freitag rettete er sich dank dieses Schluss-Spurts ins Plus und gewann ein knappes Prozent. Der EuroStoxx50 zog am Freitag 2,1 Prozent auf 2298,05 Zähler an. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,8 Prozent im Plus. Die Renditen der zehnjährigen spanischen und italienischen Anleihen gingen auf 6,768 beziehungsweise 5,968 Prozent zurück und lagen damit jeweils rund einen Prozentpunkt unter ihren Rekordhochs der Wochenmitte.
"Draghi hat die Geister gerufen, da muss jetzt auch etwas kommen von der EZB", sagte ein Börsianer. "Wahrscheinlich wird sie erst einmal italienische und spanische Anleihen kaufen." Citigroup-Anlagestratege Steven Englander warnte dagegen vor überzogenen Erwartungen. "Unter Investoren herrscht nach wie vor einige Skepsis, ob und wie die EZB handeln wird." Falls die Notenbank im Anschluss an ihre Ratssitzung in der kommenden Woche inaktiv bleibe und nicht einmal konkrete Hinweise auf zukünftige Aktionen gebe, werde dies die Kurse belasten, betonte Englander. "Denn dies würde die Einschätzung bestärken, dass der politische Prozess nicht funktioniert."
Die Deutsche Bundesbank goss bereits am Freitagvormittag Wasser in den Wein. Ein Sprecher wiederholte den Standpunkt der Frankfurter Währungshüter, dass sie Anleihekäufen der EZB kritisch gegenüberstünden.
Bei den DAX-Unternehmen gehörten Linde mit einem Plus von drei Prozent auf 121,50 Euro zu den Favoriten. Der Gase-Hersteller sieht sich trotz der weltweiten Konjunkturabkühlung für das Gesamtjahr weiter auf Rekordkurs. Die Ertragskraft des Unternehmens bleibe hoch, lobte Analyst Ralf Grönemeyer von Silvia Quandt Research.
Im EuroStoxx50 waren Nokia sehr gefragt. Die Hoffnung auf neue Smartphones auf Basis des Betriebssystems Windows Phone trieben den Aktienkurs des finnischen Handy-Herstellers 8,7 Prozent in die Höhe.
Die Papiere des HeidelbergCement-Konkurrenten St. Gobain brachen dagegen angesichts eines pessimistischen Ausblicks für die zweite Jahreshälfte um 10,7 Prozent ein. Die Papiere von Lafarge zogen dagegen trotz eines Gewinneinbruchs um 5,3 Prozent an. Der französische Zement-Hersteller hatte seine Ziele bekräftigt. HeidelbergCement schlossen 2,8 Prozent im Plus. Der Konzern will am Dienstag Geschäftszahlen vorlegen. Analysten rechnen mit einem Umsatz- und Gewinnplus.