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Merken   Drucken   12.06.2012, 18:06 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Angst treibt spanische Renditen auf Rekord

Die Wahl in Griechenland steht am Sonntag an - und die Stimmung am Markt dreht Richtung Panik. In Spanien steigt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf fast sieben Prozent. Angst macht auch Italien.
© Bild: 2012 Getty Images/Gonzalo Orturno
Die Wahl in Griechenland steht am Sonntag an - und die Stimmung am Markt dreht Richtung Panik. In Spanien steigt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf fast sieben Prozent. Angst macht auch Italien.
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Die wachsende Angst an den Finanzmärkten hat die Renditen zehnjähriger spanischer Anleihen am Dienstag auf Rekordstände getrieben. Händlern zufolge nimmt die Sorge der Anleger vor einer Eskalation der Euro-Krise vor den Wahlen in Griechenland zu. In Athen dürfte sich am Sonntag entscheiden, ob die Gegner des Sparprogramms die Oberhand gewinnen und damit der Austritt des Landes aus der Euro-Zone droht.

Zudem zweifeln viele Investoren daran, ob Spanien allein mit den geplanten Finanzhilfen für die Banken seine Schuldenkrise in den Griff bekommt. Börsianer verwiesen zudem auf die am Dienstag erfolgte Herunterstufung von 18 spanischen Geldhäusern durch Fitch. Bereits am Montag hatte die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit von Banco Santander  und BBVA  gesenkt.

Spanische Papiere wurden am Dienstagnachmittag in der Spitze mit 6,857 Prozent verzinst. Erst vergangene Woche Donnerstag war die Rendite bis auf fast sechs Prozent gefallen. Anlass war die geglückte Auktion spanischer Staatspapiere im Volumen von 2,1 Mrd. Euro. Kurz davor hatte Finanzminister Christóbal Montoro noch gesagt, das Land sei de facto vom Finanzmarkt ausgeschlossen. Deshalb war die Auktion und die fallende Rendite zunächst mit Erleichterung aufgenommen worden.

Immer deutlicher wird aber, wie sehr die Finanzmärkte an den am Samstag beschlossenen Hilfszahlungen für die maroden spanischen Banken zweifeln. Die Regierung in Madrid und die Euro-Partner kündigten nach einer hektisch einberufenen Telefonkonferenz an, dass Spanien unter den Rettungsschirm schlüpfen wird. Bis zu 100 Mrd. Euro sollen aus den Krisenfonds EFSF oder ESM fließen, damit der angeschlagene spanische Finanzsektor saniert werden kann.

Löst Unruhe in Rom aus: Maria Fekter,  im Gespräch mit ...   Löst Unruhe in Rom aus: Maria Fekter, im Gespräch mit Jean-Claude Juncker (Archiv)

Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen zog am Dienstag ebenfalls deutlich an und lag bei 6,304 Prozent. Der Euro  rutschte auf ein Tagestief von 1,2445 Dollar, der DAX  zeitweilig 0,9 Prozent ins Minus, drehte aber kurz vor Handelsschluss wegen steigender Kurse an der Wall Street ins Plus und schloss 0,3 Prozent fester bei 6161 Punkten.

Nach Einschätzung von Experten ist die Grundstimmung an den Märkten dennoch Angst . "Vor den Wahlen in Griechenland gehen Investoren in Gold  und Dollar - jegliches Risiko wird gemieden", sagte Marc Burgheim, Leiter des Devisenhandels der BayernLB.

Mittlerweile hat Italien, das als drittgrößte Euro-Volkswirtschaft als entscheidender Dominostein in der Schuldenkrise gilt, Spanien als größten Unruheherd abgelöst. Spätestens nachdem Österreichs Finanzministerin Maria Fekter ein Hilfsprogramm für Rom am Montagabend nicht ausschließen wollte, zittert Europa um ein Schwergewicht, das nach einhelliger Expertenmeinung zu groß für den Rettungsschirm wäre.

Dass der italienische Premier Mario Monti Fekter umgehend auf die Finger klopfte, beeindruckt Investoren wenig. "Ich halte es für vollkommen unangemessen, dass eine Ministerin eines EU-Mitgliedstaates die Lage eines anderen EU-Mitgliedstaates kommentiert. Daher verzichte ich auf jegliche Kommentare", hatte Monti am Dienstag in Rom gesagt, als ihn Journalisten um eine Reaktion auf Fekters Äußerung baten.

Die EU-Kommission beteilige sich an der Notfallplanung aber nicht, sagte ein Sprecher in Brüssel. Die Behörde gebe jedoch Rechtsauskünfte, ob die Kontrollen nach EU-Recht möglich seien. Dies sei bei einer Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit der Fall.

In Frage steht derzeit die Einhaltung von Reformversprechen vor allem in Griechenland. Sollte das Linksbündnis Syriza am Sonntag bei der Neuwahl stärkste Partei werden, könnte das Land den Hilfspakt mit den Euro-Ländern aufkündigen. In der Euro-Zone wird deshalb über Notfallpläne diskutiert, wie die EU-Kommission bestätigte. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor berichtet, die Vertreter der Euro-Länder zögen Grenz- und Kapitalverkehrskontrollen als Gegenmaßnahme in Betracht, sollte der Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum kommen und dies einen Ansturm auf Banken auslösen.


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Quelle: Eurostat

Merkel: Eurobonds führen in noch größere Katastrophe

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in Berlin, das Vertrauen der Finanzmärkte in Europa komme nur zurück, wenn sich alle an ihre eingegangenen Verpflichtungen hielten. Es wäre fatal, wenn die Länder bei Strukturreformen auf halbem Weg stehen blieben. Eurobonds zur gemeinsamen Schuldenfinanzierung, die unter anderem Monti fordert, lehnte Merkel erneut ab. Jetzt über gemeinsame europäische Schuldtitel zu reden, bedeute, "das Pferd vom falschen Ende aufzuzäumen". Sie werde keinen Schritt mitmachen, der in eine noch größere Katastrophe führe, sagte Merkel auf dem Wirtschaftstag der CDU.

Der Chef der radikalen Linken in Griechenland, Alexis Tsipras, erneuerte seine Wahlkampfrehtorik, das Land könne weniger sparen und gleichzeitig den Euro behalten. Er werde nach den Wahlen dem "faulen griechischen Staat ein Ende bereiten" und bei Verbleib in der Euro-Zone einen Neustart wagen. "Wir übernehmen die Regierung und beenden am Montag das Memorandum für ein gerechteres Griechenland", sagte Tsipras mit Blick auf die Sparauflagen der EU-Partner und des IWF. Die Syriza war bei den Wahlen am 6. Mai als zweitstärkste Partei hervorgegangen, dürfte sich am kommenden Sonntag bei den Neuwahlen nach Umfragen mit den Konservativen ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Portugiesischer Politiker fordert Gerechtigkeit

Gleichzeitig startete eine Diskussion um Gerechtigkeit bei der Krisenhilfe. Aus dem hochverschuldeten Portugal, das ebenfalls Notkredite aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF bekommen hat, kamen Forderungen nach besseren Bedingungen für das eigene Milliardenpaket. Portugal müsse dieselben Konditionen wie Spanien bekommen, da es in der EU "nicht Länder erster und zweiter Kategorie geben" dürfe, sagte der Führer der oppositionellen Sozialistischen Partei (PS), Antonio Seguro, in Lissabon. Portugal hängt seit 2011 als drittes Euro-Land nach Griechenland und Irland am internationalen Finanztropf.

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