Merken   Drucken   12.01.2012, 15:29 Schriftgröße: AAA

Trotz Rezessionsgefahr: EZB legt Zinspause ein

Nach einer kräftigen Liquiditätsspritze im Dezember wartet die Europäische Zentralbank erst einmal ab. Sie lässt den Leitzins unverändert bei einem Prozent.
Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Das teilte die Notenbank am Donnerstag nach der monatlichen Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt mit. Nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Mario Draghi im November hatte das Gremium den Leitzins gleich zwei Mal um 0,25 Prozentpunkte gesenkt.




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Parallel dazu hatte die EZB weitere Konditionen für die Kreditvergabe an die Geschäftsbanken gelockert: Die Liste der Wertpapiere, die sie als Sicherheit für ihre Darlehen akzeptiert, wurde erweitert. Zudem vergab die Notenbank im Dezember erstmals Kredite mit einer Laufzeit von drei Jahren. Mehr als 500 Banken liehen sich für diesen Zeitraum 489 Mrd. Euro. Ende Februar bietet die EZB erneut Dreijahreskredite an. Das verschafft den Banken Planungssicherheit.
Die Geldspritze zeigt bereits erste Wirkung: Die Euro-Sorgenkinder Italien und Spanien zahlten am Donnerstag für frische Milliardenkredite deutlich geringere Zinsen als noch vor einem Monat. Die starke Nachfrage nach den Papieren dürfte damit zusammenhängen, dass die Banken dank der EZB über reichlich Bargeld verfügen.
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Zudem bieten sich die im Vergleich etwa zu deutschen Staatsanleihen noch immer hoch verzinsten Schuldtitel aus Italien und Spanien für einen sogenannten Carry-Trade an: Die Geldhäuser können die Papiere als Sicherheiten bei der EZB hinterlegen und dafür Kredite erhalten, für die sie lediglich den Leitzins von einem Prozent zahlen müssen. Da sie beispielsweise auf die am Donnerstag auktionierten Papiere eine Rendite von zwei bis drei Prozent kassieren, ist das ein gutes Geschäft.
Von der FTD befragte Ökonomen rechnen allerdings mehrheitlich damit, dass der Leitzins im Laufe des Jahres von derzeit 1,0 auf 0,5 Prozent sinken wird. Denn der Euro-Zone droht eine Rezession. Selbst die Konjunkturlokomotive Deutschland schwächelt: Die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik schrumpfte im Schlussquartal 2011 um 0,25 Prozent. Italien verzeichnete bereits im dritten Quartal ein Minuswachstum von 0,2 Prozent, ebenso die Niederlande. Leitzinssenkungen verbilligen Kredite und stützen deshalb in der Regel die Konjunktur.
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  • FTD.de, 12.01.2012
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