"Es gibt Spielraum für weitere Schritte der Federal Reserve, um die Finanzierungsbedingungen zu lockern und die Erholung zu stärken", schrieb Bernanke in einem auf den 22. August datierten Brief an einen Kongressausschuss, der Ende vergangener Woche bekannt wurde. Die Fed werde zusätzliche Maßnahmen ergreifen, sollte dies notwendig sein.
Schon die Veröffentlichung des Protokolls zur vergangenen Fed-Sitzung hatte die Märkte in ihrer Überzeugung bestärkt, dass die Währungshüter ein neues Programm zum Kauf von Staatsanleihen auflegen, um so Milliarden in die Wirtschaft zu pumpen. Man werde vor möglichen Schritten aber die weiteren Konjunkturdaten genau im Auge behalten.
An den US-Börsen löste dies am Freitag eine Trendwende aus: Die Indizes beendeten ihre mehrtägige Talfahrt und drehten kräftig ins Plus. Der Dow-Jones-Index schloss 0,8 Prozent fester, der S&P-500-Index 0,7 Prozent höher. Im Wochenverlauf büßte der S&P per saldo 0,5 Prozent ein - der erste Verlust seit sechs Wochen. In Europa rutschte der DAX vergangene Woche unter die Marke von 7000 Punkten. Auf Wochensicht gab der Leitindex rund ein Prozent nach und schloss mit 6971 Punkten, der Eurostoxx 50 fiel um 1,4 Prozent und der italienische Leitindex 1,6 Prozent.
"Bernanke hat bestätigt, dass er entschlossen ist, mehr zu tun, sollte die Wirtschaft den Anschein erwecken, dies zu benötigen", sagte John Carey, Vermögensverwalter bei Pioneer Investments in Boston, der Nachrichtenagentur Reuters. "Das war für diejenigen, die befürchtet hatten, dass er sich wieder davon distanzieren würde, beruhigend."
Der Brief bestätigt kurz vor dem an diesem Freitag beginnenden Treffen führender Notenbanker in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming die Optimisten unter den Strategen. Diese sind vor allem am Anleihemarkt zu finden. Immerhin hatte Bernanke vor zwei Jahren in Jackson Hole die zweite Runde der geldpolitischen Lockerung - auch Quantitative Easing genannt - durch Käufe von Staatsanleihen in Aussicht gestellt.
Rick Rieder, Chefstratege für festverzinsliche Wertpapiere beim Vermögensverwalter Blackrock, sagt ein "aggressives" Vorgehen der Fed voraus und sieht eine 50-prozentige Chance, dass sie im September aktiv wird. "Ein Plan zur Ankurbelung der Wirtschaft ist fast sicher", sagte auch Bill Gross, der den weltweit größten Rentenfonds Pacific Investment Management Co (Pimco) führt. Entsprechend sollten die Renditen der US-Papiere in nächster Zeit niedrig bleiben. Vergangene Woche gab die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen bis zum Freitag Abend auf 1,67 Prozent nach und verlor damit rund 0,14 Prozentpunkte, bevor sie am Abend leicht auf 1,69 Prozent stieg.
Die Hoffnung der Märkte auf weitere Geldspritzen könnten aber angesichts der relativ stabilen US-Wirtschaft enttäuscht werden. Das dürften auch die diese Woche anstehenden Konjunkturdaten zum Verbrauchervertrauen, zum Arbeits- und Häusermarkt sowie aus der Industrie deutlich machen, sagte Peter Cardillo, Chef-Marktstratege von Rockwell Global Capital. "Sie werden zeigen, dass das Wirtschaftswachstum nicht mehr schwächelt." Er rechnet erst nach den US-Präsidentschaftswahlen im November mit neuen Maßnahmen der Währungshüter. Sollte die Geldspritze ausbleiben, wird dies Cardillo zufolge zu einem Abwärtstrend an den Märkten führen.
Am Devisenmarkt waren die Experten zuletzt ohnehin sehr viel skeptischer. Die Anlagestrategen der französischen Bank BNP Paribas erwarten, dass der Euro nach seinem jüngsten Höhenflug noch weiter zulegen kann und die nächsten Widerstandslinien bei 1,2680 sowie 1,2700 Dollar testen könnte. Auch Daragh Maher, Devisenstratege bei HSBC, sieht die 1,27 Dollar in Reichweite. Die Experten von BNP Paribas peilen gar einen Eurokurs von 1,2800 Dollar an.
Am Freitag gab der Euro zum Dollar nach Bekanntwerden des Ben Bernanke -Briefs nur leicht nach und schloß bei 1,2512 Dollar - ein Wochenplus von 1,4 Prozent. Lutz Karpowitz, Devisenstratege bei der Commerzbank, hält weitere Anleihekäufe der Fed sogar für wenig hilfreich. "Der Markt hat lange verstanden, dass dies lediglich Gefahren birgt, aber kaum Aussichten auf Erfolg hat", schreibt er.
Die wieder gewachsenen Sorgen hinsichtlich der Problemstaaten Griechenland und Spanien sorgten zuletzt wieder für eine Flucht in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. Daran wird sich nach Ansicht von Claudia Windt, Analystin bei der Helaba, zunächst wenig ändern. "Der an diesem Montag anstehende Ifo-Geschäftsklimaindex sollte ebenso wenig eine Wende herbeiführen können wie die europäischen Stimmungs-Indikatoren." Die Rendite zehnjähriger deutscher Papiere fiel vergangene Woche um 0,17 Prozentpunkte auf 1,33 Prozent.