Ölpumpstation in Venezuela
An der New Yorker Rohstoffbörse kostete das Barrel (159 Liter) im Computerhandel am Donnerstag 65,30 $. Bereits am Mittwoch hatte hier der Rohstoffpreis um 1,83 $ auf einen Schlusskurs von 64,90 $ zugelegt. Im asiatischen Handel mussten am Donnerstag pro Barrel der Sorte WTI 65,19 $ bezahlt werden. Innerhalb von drei Wochen ist der Ölpreis um 14 Prozent gestiegen.
Als Grund für den Preisauftrieb sehen Marktkenner Spekulationsgeschäfte auf dem Ölmarkt. Obwohl genug Öl für Kunden vorhanden sei, lassen zwei Entwicklungen Spekulanten zuschlagen: Die Zuspitzung des Streits um die iranischen Atompläne und die sinkenden Lagerbestände in den USA.
Hohe US-Benzinnachfrage im Sommer
Laut wöchentlichem Lagerbericht der US-Energiebehörde nahm der Rohölvorrat dort zwar innerhalb einer Woche um 2,8 Millionen Barrel zu und liegt damit zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Der Bestand an Benzin fiel aber in der derzeitigen sommerlichen so genannten Fahrsaison (Driving Season) auf vier Prozent unter dem Vorjahreswert.
Zur Nervosität des Marktes kommt nach Angaben von Händlern eine trotz rasant gestiegener Preise in den USA und China ungebremste Nachfrage hinzu. Analysten rechnen mit einem weiteren Anstieg. "Man hat davon geredet, dass ein Ölpreis um 60 $ die Wirtschaft in vielen Ländern der Welt bremst", sagte James Cordier, Präsident der Liberty Trading Group in Tampa.
Wertpapierhändler besorgt über Kursentwicklung
Da US-Notenbankchef Alan Greenspan von einer stärker werdenden amerikanischen Wirtschaft gesprochen habe, könne sich der Rohölpreis der 70-Dollar-Marke nähern. Er sei davon überrascht, dass selbst nach den jüngsten Benzinpreiserhöhungen in den USA der Verbrauch gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch um 1,4 Prozent zugenommen habe.
Börsenhändler sorgen sich jedoch über mögliche negative Auswirkungen auf den Wertpapierhandel. Der Dow-Jones-Index schloss am Mittwoch mit 10.594 Zählern 0,2 Prozent im Minus. Der Index der US-Technologiebörse Nasdaq ging um 0,75 Prozent auf 2157 Punkte zurück. "Der Anstieg des Ölpreises hat die Leute veranlasst, Aktienkäufe zu stoppen und daran zu denken, dass Energiepreise in dieser Höhe der Wirtschaft schaden könnten", sagte Larry Peruzzi von der Vermögensverwaltungsgesellschaft The Boston Company Asset Management. Die hohen Energiekosten könnten die Verbraucher zur Kaufzurückhaltung veranlassen und die Unternehmensgewinne schmälern.