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Merken   Drucken   12.04.2011, 14:20 Schriftgröße: AAA

Ausblick: Ölvorräten droht niedrigster Stand seit fünf Jahren

Sorgenvoll betracht die Internationale Engergieagentur die jüngste Hausse beim Ölpreis. Die IEA warnt vor schweren Folgen für die Weltwirtschaft. Nach Einschätzung der Organisation gibt es womöglich bald Versorgungsengpässe.
Ein dauerhafter Ölpreis oberhalb der 100-Dollar-Marke wird nach Einschätzung der Internatioanlen Energieagentur (IEA) der Weltwirtschaft schaden. Er sei nicht kompatibel mit der zu erwartenden Geschwindigkeit der globalen Konjunkturerholung, schrieben die Analysten der IEA in ihrem Monatsbericht. Die Unruhen in Libyen und anderen Staaten der arabischen Region könnten zu weiteren Produktionsrückgängen führen und damit die derzeit hohen Preise stützen.
Ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate WTI  kostet derzeit 108 Dollar, ein Fass der Nordseesorte Brent 123 Dollar.
Öl Platform in der Nordsee   Öl Platform in der Nordsee
Ihre Prognose für den weltweiten Verbrauch hob die IEA um 1,6 Prozent oder 1,4 Millionen Barrel (159 Liter) auf 89,4 Millionen Barrel pro Tag an. Sollte sich das bestätigen, könnten im Dezember die weltweiten Ölvorräte auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren fallen. Im Februar betrugen die Einlagerungen in den Ländern Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2,68 Milliarden Barrel. Damit wäre der weltweite Bedarf für 59,2 Tagen gedeckt.
Für das krisengeschüttelte Japan errechnete die Organisation in einem optimistischen Szenario eine Steigerung der Ölnachfrage im Vergleich um Vorjahr um 30.000 Barrel pro Tag. Zuletzt war noch ein Rückgang um 120.000 Barrel prognostiziert worden. Es sei damit zu rechnen, dass die Wirtschaft sich in der zweiten Jahreshälfte erhole und das die Nachfrage nach Öl zur Stromerzeugung zunehmen werde, teilte die IEA mit Blick auf den atomaren GAU und die Naturkatasrophe in Japan mit.
Es gebe erste Anzeichen für ein Abschwächen der Nachfrage infolge des hohen Preises, hieß es in dem Bericht. So werde nach Ansicht der IEA das Nachfragewachstum nach Öl aus den USA, größter Verbraucher der Welt, in diesem Jahr nur 2,8 Prozent betragen. Im Januar hatte die IEA noch drei Prozent prognostiziert
Andererseits werde die Versorgungslage enger, weil der Konflikt in Libyen die Reservekapazität der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) stark strapaziere. Zuletzt pumpten die elf an Quoten gebundenen Mitglieder des Kartells 26,51 Millionen Barrel pro Tag in den Markt, so wenig wie zuletzt im Mai 2010.
Die zusätzliche Kapazität der Opec-Länder, die für 40 Prozent der weltweiten Vorräte stehen, betrage noch 3,91 Mio. Barrel pro Tag. Bisher habe eine Produktionsausweitung in Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten dafür gesorgt, dass keine Versorgungskrise entstanden sei. Im zweiten Halbjahr sollte es zu einer deutlich höheren Nachfrage nach Opec-Öl kommen, schätzte die IEA ein. Die Produzenten könnten derzeit noch durch zusätzliche Ölverkäufe und die Senkung ihrer offiziellen Preise für Entspannung auf dem Markt sorgen.
Die Prognose für die Ölförderung außerhalb der Opec hob die IEA um 100.000 Barrel pro Tag auf 53,7 Mio. Barrel an. Dies liegt vor allem an einem höheren Ausstoß in Kanada. In dem Ahornland gibt es große Mengen an ölhaltigen Sanden, deren Verwertung jedoch erst bei konstant hohen Preisen wirklich rentabel ist.
Zuletzt war der Ölpreis nach einer Phase deutlicher Anstiege wieder etwas gesunken. Grund für den Preisrückgang ist vor allem die gesenkte Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds für Japan und die USA.
06:43:58 Kursinformationen und Charts
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  • FTD.de, 12.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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