Investoren witterten das große Geschäft. Doch wegen einer optimistischen Ernteprognose der USA fallen Getreide- und Sojapreise - entgegen den Wetten vieler Anleger. Die brauchen nun einen langen Atem.
Die heftigen Preisschwankungen bei Agarrohstoffen machen selbst Profi-Investoren zu schaffen: Ein Einbruch der Getreide- und Sojapreise hat in der vergangenen Woche zahlreiche Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt. Das geht aus der wöchentlichen Statistik der Terminbörsenaufsicht CFTC hervor.
Demnach überstieg in der Woche zum 10. Januar die Zahl der Terminkontrakte und Optionen, mit denen Finanzinvestoren auf steigende Rohstoffpreise setzen, die Wetten auf sinkende Kurse um 720.000. Das war der höchste Wert seit November. Doch seit dem 10. geht es an den Rohstoffmärkten bergab. Neben dem Rohölpreis, der nach einer Rally zu Jahresbeginn wieder leicht zurückging, gaben vor allem Terminkontrakte auf Soja, Weizen und Mais kräftig nach. Soja und Weizen verbilligten sich seit Dienstag um rund fünf Prozent, der Maispreis fiel sogar um mehr als acht Prozent.
Rekordernte erwartet
Hintergrund ist ein Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Demnach wurde im Herbst deutlich mehr Winterweizen ausgesät als erwartet - die Anbaufläche wuchs gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent. Weltweit erwarten die US-Experten im Anbaujahr 2011/12 sogar eine Rekordernte von 691,5 Millionen Tonnen Weizen. Zudem fielen die verbleibenden Soja- und Maisvorräte in den USA deutlich höher aus, als Analysten erwartet hatten.
Finanzinvestoren mit langem Atem könnten mit ihren Wetten aber noch Profit machen: Experten wie der Hedge-Fonds-Manager Dennis Gartman rechnen mit einer raschen Erholung der Getreidepreise. In Schwellenländern wie Indien und China steige der Fleischkonsum und damit die Nachfrage nach Futtermitteln, sagte Gartman vergangene Woche auf einer Konferenz.
Analysten von Barclays Capital weisen zudem darauf hin, dass die Maisernte in Südamerika wegen extremer Trockenheit in Argentinien und Brasilien deutlich geringer ausfallen könnte als vom US-Landwirtschaftsministerium geschätzt. Washington hatte seine Ernteprognose für Argentinien um zehn Prozent gekürzt, rechnet in Brasilien aber unverändert mit einer Jahresproduktion von 61 Millionen Tonnen. "Wir gehen angesichts der Trockenheit davon aus, dass beide Schätzungen in den kommenden Monaten gesenkt werden müssen", schreiben die Barclays-Analysten.
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