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Merken   Drucken   05.03.2012, 22:35 Schriftgröße: AAA

Braunkohle: Energiewende verhilft Braunkohle zu Comeback

Es ist paradox: Mit der Energiewende ist zwar die Atomkraft auf dem Rückzug, dafür wird aber ausgerechnet Braunkohle zu  Deutschlands wichtigstem Stromlieferanten. Für die deutsche Klimabilanz ist der Trend zur Braunkohle verheerend.
© Bild: 2012 FTD.de/dpa/Bildfunk/Federico Gambarini
Es ist paradox: Mit der Energiewende ist zwar die Atomkraft auf dem Rückzug, dafür wird aber ausgerechnet Braunkohle zu Deutschlands wichtigstem Stromlieferanten. Für die deutsche Klimabilanz ist der Trend zur Braunkohle verheerend.
von Düsseldorf und Hamburg

Die Braunkohle erlebt in Deutschland eine Renaissance. 2011 wurde rund ein Viertel des Stroms mit dem besonders klimaschädlichen Material erzeugt. Der Verbrauch legte um 3,3 Prozent zu. Damit war die Braunkohle Stromlieferant Nummer eins. Alle anderen Energieträger - bis auf die Erneuerbaren - brachen teils drastisch ein. Dies geht aus Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (Ageb) hervor.

Damit erleidet die Energiewende einen deutlichen Rückschlag. Mit der Reform wollte die Bundesregierung unter anderem umweltfreundlicher Strom produzieren. Nun stellt sich heraus, dass die Stromlücke, die durch die Abschaltung von acht Kernkraftwerken im Zuge der Energiewende entstand, zu großen Teilen durch Braunkohle gefüllt wird.

Dreckiges Geschäft   Dreckiges Geschäft

"Wir müssen begreifen, dass wir nicht aus Kernkraft und Kohlestrom gleichzeitig aussteigen können", sagte Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer hingegen fordert einen Ausstieg bis 2030: "Aus klimapolitischer Sicht ist es fatal, dass ausgerechnet der klimaschädlichste Energieträger der größte Profiteur des Atomausstiegs ist."

Für die deutsche Klimabilanz ist der Trend verheerend. Bei unveränderter Witterung wären die Treibhausgasemissionen 2011 um 0,8 Prozent gestiegen, errechnete die Ageb. Nur dank des deutlich wärmeren Wetters im vergangenen Jahr erhöhten sich die CO2-Emissionen insgesamt nicht. So ging der Energieverbrauch um 5,3 Prozent zurück, der CO2-Ausstoß sank jedoch nur um 3,9 Prozent.

Energiewende Das ist die Braunkohle aus Deutschland

Die Stromerzeuger rechnen mit einem anhaltend hohen Verbrauch. "Mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie gewinnt die Braunkohle an Bedeutung", sagte Hans-Wilhelm Schiffer, Chef der wissenschaftlichen Abteilung bei RWE . Der Konzern ist der größte Erzeuger von Strom aus Braunkohle Deutschland. Nur er könne gleichzeitig die Versorgungssicherheit garantieren und wettbewerbsfähige Energieversorgung sichern, so Schiffer.

Braunkohlekraftwerke laufen, ähnlich wie Kernkraftwerke, quasi rund um die Uhr - mehr als 7000 Stunden pro Jahr. Solaranlagen können hingegen nur rund 900 Stunden jährlich Strom erzeugen. Zudem sind die Erzeugungskosten bei Braunkohle mit rund 4 Cent je Kilowattstunde vergleichsweise niedrig. Eine Kilowattstunde Strom, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ins Netz gespeist wird, bringt im Schnitt 18 Cent.

Umweltorganisationen warnen jedoch aus Angst vor steigenden Klimabelastungen vor einem Ausbau der Kohlekraft. "Es wäre ein großer Fehler, jetzt mit neuen Braunkohlekraftwerken ans Netz zu gehen", sagte Elmar Große Ruse, Branchenexperte des Naturschutzbunds Nabu. Die Erzeugungsart profitiere derzeit von extrem niedrigen Preisen für Emissionsrechte. Zudem könnten die Erneuerbaren die Lücke in absehbarer Zeit füllen.

Fast 30 Prozent des globalen Energiebedarfs werden nach Angaben der Internationalen Energieagentur mit Kohle gedeckt, so viel wie zuletzt 1970. Die weltweite Förderung ist seit der Jahrtausendwende um mehr als 60 Prozent angewachsen - dreimal so stark wie der Rohölverbrauch. Allein in China, wo vier Fünftel des Stroms auf diese Art erzeugt werden, nimmt derzeit alle sieben bis zehn Tage ein neues Kohlekraftwerk seinen Betrieb auf. Weltweit gewinnen Stein- und Braunkohle schon seit Jahren wieder an Bedeutung.

  • Aus der FTD vom 06.03.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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