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Merken   Drucken   22.02.2011, 09:22 Schriftgröße: AAA

Copygate: Seehofers Guttenberg-Semantik

Der CSU-Vorsitzende lässt seinen von Affären geplagten Jungstar zappeln. Zwar bekundet er seine Solidarität mit dem Minister, doch die Plagiatsvorwürfe mag er nicht bewerten. Der populäre Parteifreund ist für Seehofer ein Konkurrent. von Kai Beller  Berlin
Markieren, kopieren, blamieren Scherze mit Guttenbergs Plagiat
CSU-Chef Horst Seehofer liebt das Zweideutige. "Ich habe ihm geraten durchzuhalten", lässt er sich von der "Süddeutschen Zeitung zitieren. Gemeint ist Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der wegen der Plagiatsvorwürfe in seiner Doktorarbeit arg in der Kritik steht. Rücktrittsgedanken hat Seehofers Parteikollege bislang weit von sich gewiesen. Die Frage, ob er einen solchen Schritt überlegt habe, nannte er "Unsinn".
Ausgerechnet sein Parteichef nährt Spekulationen, dass das Gegenteil der Fall war. Der bayerische Ministerpräsident deutet an, dass sich der Star aus dem Bundeskabinett sehr wohl mit solchen Gedanken beschäftigt hat. Die Kunst, Freund wie Feind hintenrum einen mitzugeben, beherrscht Seehofer perfekt. "Rechtzeitig", so der CSU-Chef, habe er mit Guttenberg gesprochen und ihn von übereilten Schritten abgehalten. "Der KT wirft nicht hin", sagt Seehofer gönnerhaft und meint, dass er den Parteifreund Karl-Theodor (KT) im Amt gehalten habe.
Nach dem Verzicht auf den Doktortitel ist Guttenberg...

 

Nach dem Verzicht auf den Doktortitel ist Guttenberg...

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Die Aufregung ist natürlich groß. Guttenbergs Sprecher Steffen Moritz muss wiederholen, was sein Chef bereits gesagt hat. Unsinn seien die Spekulationen über einen Rücktritt. Guttenberg bemüht sich, die Plagiatsaffäre und seine politische Karriere zu trennen. Verfehlungen des Doktoranden Guttenberg sollen nicht auf den Minister Guttenberg abstrahlen.
Noch ist der Verteidigungsminister der beliebteste deutsche Politiker. Auch die guten Umfragewerte der bayerischen CSU sind nach Angaben der Demoskopen auf den Guttenberg-Effekt zurückzuführen und nicht auf Seehofers Politik. Affären und Skandale konnten dem Adelsspross bisher nichts anhaben, nach dem Copy und Paste in seiner Doktorarbeit könnte sich das ändern, auch wenn eine erste Umfrage darauf hindeutet, dass die Mehrheit des Volkes ihn weiter im Amt sehen will.
Seehofer kommt die Affäre gelegen. Der Bundesminister wird schon als heißer Kandidat für den Posten des CSU-Vorsitzenden gehandelt. Schon im Herbst 2010 galt es nur noch als eine Frage der Zeit, wann Guttenberg Seehofer an der Parteispitze ablöst. Beim Parteitag bietet sich die Gelegenheit, den Vorsitzenden vom Thron zu stürzen. Freiwillig will Seehofer nicht weichen, auch wenn Guttenberg eine Kampfkandidatur erwägen sollte.

Teil 2: Seehofer lässt sich ein Hintertürchen offen

  • FTD.de, 22.02.2011
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