Der Wirtschaft der Euro-Zone geht es schlecht. Sie schrumpfte im zweiten Quartal um 0,2 Prozent, nachdem sie in den ersten drei Monaten des Jahres stagniert hatte. In einigen Staaten brach zuletzt der Konsum weg, in manchen wird der schwache Export zum Problem. Inmitten der Krise gibt es aber auch Lichtblicke. Hier ein paar Daten zu elf der insgesamt 17 Euro-Länder.
In Belgien verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 0,6 Prozent. Die Konjunktur des Landes hatte sich im Zuge der Euro-Krise deutlich verschlechtert. Die belgische Wirtschaft ist in hohem Maße vom Export abhängig, die Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen steht für 85 Prozent des BIPs. Für das laufende Jahr erwartet die Regierung ein Nullwachstum.
Zum Problem für die Belgier wird inzwischen die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der dortigen Unternehmen aufgrund steigender Lohnstückkosten. Sie legten deutlich schneller zu als in den Nachbarstaaten Frankreich, Deutschland und Niederlande.
Hauptgrund dafür ist die sogenannte Lohnindexierung: Die Entwicklung der Löhne ist an die Inflation gekoppelt. Mit 39,30 Euro pro Stunde sind die Arbeitskosten in Belgien laut dem europäischen Statistikamt Eurostat die höchsten in der EU. Dazu tragen auch die hohen Lohnnebenkosten bei.
Die deutsche Wirtschaft entzog sich im Frühjahr der Abwärtsspirale in Europa. Steigende Exporte und kauffreudige Verbraucher ließen das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 0,3 Prozent zum Vorquartal wachsen. Das ist zwar weniger als zu Jahresbeginn mit 0,5 Prozent, aber etwas mehr als Ökonomen mit 0,2 Prozent vorausgesagt hatten.
Noch ist Deutschland also stärker als der Großteil Europas. Auf Dauer kann sich die Wirtschaft der Bundesrepublik aber nicht von der Krise absetzen, warnen Experten. Denn Europa ist ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Produkte.
Die hinter Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion stagnierte zwischen April und Juni. Die französische Wirtschaft steckt damit im Abwärtssog der Euro-Krise. Dadurch könnte es schwerer für die Regierung werden, ihre ehrgeizigen Sparziele zu erreichen. Unter dem Druck der Finanzmärkte hat Präsident François Hollande versprochen, das Staatsdefizit in diesem Jahr von rund fünf auf 4,5 Prozent des BIP zu senken sowie 2013 auf drei Prozent.
Nach einer Prognose der Banque de France sind die Aussichten besonders in der Industrie düster. Industriekonzerne wie etwa die Autobauer PSA Peugeot Citroën oder Renault leiden massiv unter Absatzeinbrüchen im Zuge der Euro-Krise in Südeuropa.
Für Europas Krisenland Nummer eins fehlen aktuelle Daten für die vierteljährliche Bestandsaufnahme. Zahlen, die die Veränderung zum gleichen Quartal des Vorjahres widerspiegeln, sehen indes düster aus: Um 6,2 Prozent hat die griechische Wirtschaftsleistung innerhalb eines Jahres abgenommen. Die Daten für Griechenland sind allerdings nicht saisonbereinigt - die jahreszeitlich bedingten Schwankungen sind also nicht herausgerechnet worden.
Die Regierung in Athen spart massiv. Zwar hat sie mehrfach gegen Auflagen verstoßen, ihr Konsolidierungsprogramm ist aber beispiellos: Das konjunkturbereinigte Budgetdefizit des Staates sank von 15 Prozent im Jahr 2009 auf 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 2011. Die Sparpolitik hatte die Krise verschärft, womit die Schuldenlast von rund 130 Prozent auf 165 Prozent des BIPs nach oben schoss.
Die Niederländer schafften im zweiten Quartal noch ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent. Die exportabhängige niederländische Wirtschaft war in der zweiten Jahreshälfte 2011 geschrumpft, im ersten Quartal 2012 aber wieder leicht um 0,2 Prozent gewachsen. Die unerwartet guten Daten dürften der Regierung etwas Rückenwind für die vorgezogene Neuwahl am 12. September bescheren.
In den Niederlande n erwies sich zuletzt der Export als sehr stark. Dieser kompensierte den vergleichsweise schwachen Konsum.
In Österreich ging es zwischen April und Juni noch um 0,2 Prozent mit dem Wirtschaftswachstum nach oben. Doch auch die Alpenrepublik hat Probleme - vor allem mit ihren Banken. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 musste Österreich drei Großbanken mit der Verstaatlichung vor der Pleite retten: die frühere BayernLB-Tochter HGAA, die Kommunalkredit und das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG.
Spaniens Wirtschaftsleistung schrumpfte zwischen April und Juni um 0,4 Prozent, verglichen mit der Spanne Januar bis März 2012. Das ist eine weitere Verschlechterung: In den beiden Vorquartalen hatte das BIP des hoch verschuldeten Landes jeweils um 0,3 Prozent abgenommen, nach Stagnation im dritten Vierteljahr 2011.
Zuletzt brach die Industrieproduktion weiter ein. Das spanische Statistikamt meldete in der vergangenen Woche einen Juni-Rückgang von 6,3 Prozent zum Vorjahr. Schon im Vormonat war die Industrieproduktion den Angaben zufolge um 6,5 Prozent zurückgefallen. Die spanische Industrieproduktion ist seit Februar 2011 nicht mehr gewachsen.
Portugal steht deutlich schlechter da als sein Nachbar Spanien. Um 1,2 Prozent hat die Wirtschaftsleistung dort im vergangenen Quartal abgenommen, nach 0,1 Prozent im Vorquartal. Zwischen Oktober und Dezember 2011 waren es sogar 1,4 Prozent gewesen. Das ärmste Land Westeuropas leidet wie alle anderen Krisenstaaten unter einem radikalen Sparkurs der Regierung in einem rezessiven Umfeld.
Italien nimmt zwar keine Hilfen aus europäischen Rettungsschirmen in Anspruch. Der Wirtschaft geht es aber dennoch nicht gut: Um 0,7 Prozent sackte das BIP dort zwischen April und Juni ab. Seit dem dritten Quartal 2011 steckt das Land in der Rezession.
Hauptursache ist die eingebrochene Binnennachfrage - eine Folge der scharfen Konsolidierung. Die Regierung will insgesamt 20 Mrd. Euro sparen. Steuererhöhungen und die wachsende Arbeitslosigkeit belasten den Konsum. Italiens Einzelhandelsverband geht davon aus, dass 2012 die Konsumausgaben pro Kopf so stark fallen werden wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs.
Immer mehr Investoren verlieren in der Folge ihr Vertrauen in Italien: In den ersten vier Monaten 2012 gab es Nettokapitalabflüsse in Höhe von knapp 30 Mrd. Euro. Zum Vergleich: 2011 waren es nach zwölf Monaten 34 Mrd. Euro. Rechnet man die Kapitalbewegungen der Italiener selbst heraus, so lag der Kapitalabfluss von Ausländern sogar bei 47 Mrd. Euro.
Der Ausblick ist damit düster. Der Industrieverband Confindustria rechnet mit einem Rückgang des BIPs um 2,4 Prozent in diesem Jahr. Ein Ende der Rezession vor 2014 sei nicht in Sicht, schätzt das Ifo-Institut.
Zu Irland gibt es keine aktuellen Zahlen. Der dortigen Wirtschaft ging es zuletzt es aber schon deutlich besser als im Vorjahr. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung kurzfristig zwar um 1,1 Prozent abgenommen, das sind aber immer noch 1,4 Prozent besser als im ersten Vierteljahr 2011.
Um 0,8 Prozent fiel das zypriotische BIP zuletzt. Der Inselstaat ist das bisher letzte Land, das unter den Rettungsschirm schlüpfen will. Wie viel Geld benötigt wird, prüft derzeit die Troika von EZB, IWF und EU. Experten zufolge dürften es ungefähr 10 Mrd. Euro sein.
Das scheint vergleichsweise wenig, doch für die Insel mit nur 840.000 Einwohnern ist die Summe gewaltig. Sie entspricht 55 Prozent der jährlichen Wirtschaftskraft von 18 Mrd. Euro. Unklar ist, wie Zypern das Geld je zurückzahlen soll. Diese Frage spielt auch eine zentrale Rolle bei der Bewertung der Schuldentragfähigkeit des Landes durch die Troika-Experten.