Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi
So wie in Neapel, so läuft es im ganzen Land. Die Regierung fordert den Dank für Leistungen ein, die sie noch gar nicht erbracht hat. 100 Tage ist sie Freitag im Amt - und in dieser Zeit hat Berlusconi vor allem Symbole gesetzt, seinen Anhängern den Glauben gegeben, dass er Italien verändern kann. Wirklich geändert hat er bislang allerdings noch nichts. Seit 100 Tagen regiert die Neapel-Methode auch in Rom: Erfolge werden bejubelt, bevor sie errungen wurden. Es jubelt vor allem die Regierung selbst.
Alitalia ist so ein Fall. Die Fluglinie steht am Rand der Pleite. Berlusconi verspricht seit Monaten, er werde eine Allianz italienischer Unternehmer schmieden, um sie zu retten. "Wir haben bereits Investoren gefunden", wiederholt der Regierungschef seit April wie ein Mantra. Dem Chef des Schuhherstellers
Geox , Mario Moretti Polegato, der in den Zeitungen als einer der möglichen Geldgeber genannt wurde, platzte im Juli dann der Kragen: "Troppe parole", sagte er nur. "Zu viele Worte." Niemand denke daran zu investieren, wenn die Regierung keinen vernünftigen Plan für Alitalia vorlege.
Bis heute ist nicht klar, wer in Alitalia investieren wird. Sicher ist nur eines: Den Steuerzahler hat die Suche 300 Mio. Euro gekostet. Die Regierung musste das Geld in das Unternehmen pumpen, um es vor der Pleite zu retten.
Ihre Haushaltspolitik inszenieren Berlusconis Mannen auf eine ähnliche Weise. Im Juni verkündet Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, die Regierung habe sich nach nur neuneinhalb Minuten Diskussion auf einen Dreijahresplan geeinigt. "Wir haben das mit der Stoppuhr kontrolliert", sagt Tremonti. Der Haushalt solle um 36 Mrd. Euro entlastet werden. Aber viele Experten glauben nicht daran, dass das Kabinett diesen ambitionierten Plan auch wirklich umsetzt.