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  13.08.2008, 19:22    

Agenda: Die Silvio-Show

Dossier Seit 100 Tagen ist Silvio Berlusconi wieder Italiens Regierungschef. Und seit 100 Tagen tut er nun so, als tue er was. Noch glauben ihm die Italiener.

von Andre Tauber (Mailand)
Diese Chance lässt sich der Medienprofi Silvio Berlusconi  nicht entgehen. Als Italiens Ministerpräsident nach einem Treffen mit dem Präfekten der Region auf die Piazza Carolina in Neapel tritt, da begegnet ihm die junge Frau mit dem neonfarbenen Überzug. Eine Straßenkehrerin. Der Ministerpräsident zögert nicht lange, schnappt sich den Besen und winkt damit in die Fernsehkameras. Die Schaulustigen klatschen Applaus. Berlusconi lässt sich als oberster Straßenkehrer der Stadt feiern. Es ist sein letzter Besuch in Neapel vor seinem Sommerurlaub.
Der 71-Jährige ist für viele Bürger der Retter der Stadt. Berlusconi hat ihnen zu Beginn seiner dritten Amtszeit versprochen, dass sich der Müll unter ihm nicht mehr in Neapel türmen würde. Doch der Jubel der Menge kommt etwas früh. Zwar sind die Straßen seit Juni sauber, weil zwei länger geplante Müllkippen geöffnet haben. "Es wird aber noch Jahre brauchen, bis die Krise richtig überwunden ist", sagt Andrea Losco, der selbst einmal Sonderbeauftragter für das Müllproblem in Kampanien war. Es brauche weitere Deponien, Verbrennungsanlagen sowie ein System der Mülltrennung.
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi   Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi
So wie in Neapel, so läuft es im ganzen Land. Die Regierung fordert den Dank für Leistungen ein, die sie noch gar nicht erbracht hat. 100 Tage ist sie Freitag im Amt - und in dieser Zeit hat Berlusconi vor allem Symbole gesetzt, seinen Anhängern den Glauben gegeben, dass er Italien verändern kann. Wirklich geändert hat er bislang allerdings noch nichts. Seit 100 Tagen regiert die Neapel-Methode auch in Rom: Erfolge werden bejubelt, bevor sie errungen wurden. Es jubelt vor allem die Regierung selbst.
Alitalia  ist so ein Fall. Die Fluglinie steht am Rand der Pleite. Berlusconi verspricht seit Monaten, er werde eine Allianz italienischer Unternehmer schmieden, um sie zu retten. "Wir haben bereits Investoren gefunden", wiederholt der Regierungschef seit April wie ein Mantra. Dem Chef des Schuhherstellers Geox , Mario Moretti Polegato, der in den Zeitungen als einer der möglichen Geldgeber genannt wurde, platzte im Juli dann der Kragen: "Troppe parole", sagte er nur. "Zu viele Worte." Niemand denke daran zu investieren, wenn die Regierung keinen vernünftigen Plan für Alitalia vorlege.
Bis heute ist nicht klar, wer in Alitalia investieren wird. Sicher ist nur eines: Den Steuerzahler hat die Suche 300 Mio. Euro gekostet. Die Regierung musste das Geld in das Unternehmen pumpen, um es vor der Pleite zu retten.
Ihre Haushaltspolitik inszenieren Berlusconis Mannen auf eine ähnliche Weise. Im Juni verkündet Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, die Regierung habe sich nach nur neuneinhalb Minuten Diskussion auf einen Dreijahresplan geeinigt. "Wir haben das mit der Stoppuhr kontrolliert", sagt Tremonti. Der Haushalt solle um 36 Mrd. Euro entlastet werden. Aber viele Experten glauben nicht daran, dass das Kabinett diesen ambitionierten Plan auch wirklich umsetzt.

Teil 2: Berlusconi kann auch entschieden handeln

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    © 2008 Financial Times Deutschland
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