Am frühen Morgen schlagen sie zu. Vor der Münchner Villa fahren etliche Wagen vor, mehr als ein Dutzend Steuerfahnder unter Führung der Düsseldorfer Behörde steigen aus. Monatelang haben sie ermittelt und Daten der Julius Baer Bank & Trust Company (JBTC) auf den Kaimaninseln ausgewertet, die ihnen zugespielt wurden. Sie sind auf viele Millionen gestoßen, die am Fiskus vorbeigeschleust wurden. Nun wollen sie einen der mutmaßlichen Steuersünder hochgehen lassen.
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Die Villa gehört Robert Schuler-Voith, dem Patriarchen des gleichnamigen Clans. Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer hält die Mehrheit am Maschinenbauer Schuler und am Haushaltswarenhersteller Leifheit. Die Ermittler sind sich sicher, dass es sich um jenen Dr. Robert Schuler hinter dem Moonstone-Trust handelt, der in ihren Daten auftaucht (aber nichts mit der in Zürich ansässigen "Moonstone Investment Management GmbH" zu tun hat, Anm. d. Red.). Er soll den Fiskus um einen zweistelligen Millionenbetrag geprellt haben. An diesem Morgen kurz vor Weihnachten durchsuchen die Fahnder sein Haus und beschlagnahmen kistenweise Material.
Moonstone ist ein besonderer Fall. Nicht nur aufgrund der hohen Summe, um die es geht. Es ist auch einer der seltenen Fälle, die den deutschen Behörden Anlass geben könnten, gegen eine Schweizer Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu ermitteln. Denn Julius Bär soll gegen internationale Regeln verstoßen haben, die sowohl in der Schweiz als auch auf den Kaimaninseln gelten.
Der Vorgang dürfte das einst so hohe Ansehen des Schweizer Bankplatzes weiter beschädigen. Seit Langem schon stehen die Eidgenossen unter Druck, ihr Bankgeheimnis zu lockern, damit Steuerhinterzieher leichter enttarnt werden können. Die aktuelle Diskussion um den Ankauf einer CD mit Datensätzen mutmaßlicher Steuersünder lässt die Emotionen hochkochen. Der Moonstone-Fall könnte zu einer weiteren Eskalation führen.
Die Aufregung ist verständlich, denn die Datensammlungen, die oft über dunkle Kanäle an die Öffentlichkeit gelangen, können nicht nur prominente Steuersünder auffliegen lassen, sondern Teile des Schweizer Bankensystems gleich mit. Der Fall Moonstone legt den Verdacht nahe, dass die Institute zuweilen ihre Sorgfaltspflicht vernachlässigen.
Dass dieser Fall zutage kam, verdanken die deutschen Behörden Rudolf Elmer. Der Schweizer war Manager bei JBTC auf den Kaimaninseln, einer 100-prozentigen Tochter der Privatbank Julius Bär. 2002 wurde er entlassen. Seine Geschichte klingt wie die des Helden aus einem Grisham-Roman: Drohungen, Gefängnis, Detektive und eine Flucht ans andere Ende der Welt, ausgelöst durch jene CD mit brisanten Bankdaten, die nun die Düsseldorfer Steuerfahnder haben.
Teil 2: Wie eine Sicherheitskopie interessant wurde