Die Raffinerie in Leuna in Sachsen-Anhalt
Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall sind die größten Skandale der Nachwendezeit noch nicht aufgeklärt. Aber es kommt Bewegung in die Affären um den Ausverkauf der DDR. Mehrere Akteure, die sich abgesetzt hatten, sind kürzlich an die Bundesrepublik ausgeliefert worden. Es könnte noch mal spannend werden für die Glücksritter, die damals gen Osten zogen und als millionenschwere Raubritter zurückkamen.
Nach dem 9. November 1989 wittert eine Schar von Unternehmensberatern, Insolvenzverwaltern, Investoren, Anwälten und Wirtschaftsprüfern die Chance, aus der Abwicklung der Planwirtschaft ordentlich Kapital zu schlagen. Ihr Gebaren liegt irgendwo zwischen schlitzohrig, schamlos und kriminell. Der Bereich, in dem sie sich bewegen, ist ebenso grau wie die Straßenzüge in Bitterfeld. Sie weiden die marode DDR-Wirtschaft aus, schnappen sich die Filetstücke und liquidieren den Rest - subventioniert von der Treuhand. 38.000 Betriebe werden bis 1994 privatisiert. Nur fünf Prozent gehen an ostdeutsche Investoren.
"Nur in weniger als 100 Fällen ist das Treuhand-Management betrügerischen Manövern aufgesessen. Das sind ohne Frage 100 zu viel. Aber ich werde eher misstrauisch, dass es angeblich so wenige sind", zitiert der Journalist Michael Jürgs in seinem Buch "Die Treuhändler - wie Helden und Halunken die DDR verkauften" den Verwaltungsratsvorsitzenden der Treuhand Manfred Lennings.
Leuna wird zum Synonym für Korruption und Kumpanei. Der Politkrimi um die Chemiewerke beginnt als deutsch-französisches Prestigeprojekt: 1992 verpflichtet sich der Ölkonzern Elf Aquitaine, eine neue Raffinerie zu bauen. Im Gegenzug erhalten die Franzosen das Minol-Tankstellennetz. Subventionsgelder in Milliardenhöhe werden gezahlt. 256 Mio. Francs - umgerechnet knapp 40 Mio. Euro - fließen als Provisionen. Der Großteil davon landet bei Holzers liechtensteinischer Firma Delta International. Der Rest geht an den französischen Ex-Geheimdienstoffizier Pierre Léthier.