Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Politik versuchen, die Bundesbank von neuen Maßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise zu überzeugen. EZB-Präsident Mario Draghi wolle noch vor der nächsten Sitzung des Euro -Notenbankrats am Donnerstag mit Bundesbankchef Jens Weidmann über mögliche Marktinterventionen zur Reduzierung der hohen Anleihezinsen für Spanien und Italien sprechen, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Zuvor hatte sich schon Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf die Seite Draghis geschlagen, indem er dessen Bereitschaft hierzu begrüßte.
Die Bundesbank gerät damit zunehmend in die Isolation. Die deutschen Währungshüter hatten am Freitag vor einer Wiederaufnahme der Staatsanleihekäufe durch die EZB gewarnt - und damit eine groß angelegte Aktion von Notenbank und Regierungen zur Beruhigung der Märkte unterlaufen.
Auch am Sonntag sendeten Spitzenpolitiker entsprechende Signale aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Italiens Ministerpräsident Mario Monti erklärten nach einem Telefonat, beide Länder würden "alles tun, um den Euro zu schützen". Wortgleich hatten sich zuvor Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande sowie Draghi geäußert. Diese Äußerungen bewirkten eine Kurserholung bei spanischen und italienischen Anleihen, beim Euro und am Aktienmarkt.
Seit 2010 hatte die EZB vor allem griechische Staatsanleihen und ein Jahr später auch spanische sowie italienische Papiere zur Kursstützung gekauft. Seit dem Frühjahr ruht dieses Programm. Aus Euro-Kreisen hieß es, neue Aktionen zur Stützung Spaniens und Italiens stünden zwar nicht unmittelbar bevor. Ein koordiniertes Vorgehen sei aber im September möglich, wenn der neue Rettungsfonds ESM seine Arbeit aufgenommen habe.
Diskutiert wird eine Kombination aus Anleihekäufen der Rettungsfonds EFSF und ESM am Primärmarkt und Käufen der EZB am Sekundärmarkt - auf eigene Rechnung oder im Auftrag der Fonds. Dies müssten Spanien und eventuell auch Italien aber formell beantragen. Spaniens Premier Mariano Rajoy hofft immer noch, dass die EZB im Alleingang am Markt aktiv wird und er Auflagen vermeiden kann.
Die Vereinigten Staaten drängen die Euro-Zone zum Handeln. US-Finanzminister Timothy Geithner besucht diese Woche Schäuble an dessen Urlaubsort Sylt und danach Draghi.