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Merken   Drucken   09.06.2011, 16:28 Schriftgröße: AAA

EU-Schuldenkrise: EZB kämpft um Glaubwürdigkeit

Kommentar In der Griechenland-Krise verhält sich die Notenbank wie eine Gewerkschaft bei Tarifverhandlungen. Das Problem: Wer sich so verhält, endet mit der Glaubwürdigkeit einer Gewerkschaft. von Wolfgang Proissl 
Wenn Jean-Claude Trichet derzeit vor deutschem Publikum spricht, spielt die Rückschau eine große Rolle. Gern ruft der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in Erinnerung, dass die Inflationsrate in den zwölf Jahren des Euro in Deutschland niedriger war als zu Zeiten der D-Mark. "Stark wie die Mark sollte der Euro werden, und stark wie Mark ist er geworden", sagt der Franzose seinem Publikum dann gern auf Deutsch - und kann fest mit Applaus rechnen. Gut möglich, dass Trichet auch heute bei seinem Auftritt nach der Sitzung des EZB-Rats wieder an das eingelöste Stabilitätsversprechen erinnert.
Jean-Claude Trichet, Präsident der EZB   Jean-Claude Trichet, Präsident der EZB
Rückschau und Selbstlob sind verständlich bei einem Mann, dessen achtjähriges Mandat im Oktober endet und der an seinem Bild in den Geschichtsbüchern arbeitet. Doch es gibt noch triftigere Gründe dafür, dass Trichet sich selbst und der Euro-Notenbank immer wieder dazu gratuliert, die geldpolitische Mission erfüllt zu haben: Das Lob von neutralen Beobachtern ist rar geworden. Denn die EZB hat in der Krise viel von der Glaubwürdigkeit verloren, die sie sich bis zum Ausbruch der Finanzkrise erarbeitet hatte.
Ein Grund dafür ist, dass die Zentralbank beim Kampf gegen einen Totalabsturz der Euro-Volkswirtschaft zu Maßnahmen griff, die besonders in Deutschland als Verstoß gegen den Geist der Regeln für die Währungsunion verstanden wurden.
Überlebt der Euro die Krise?

 

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Das spektakulärste Beispiel dafür war der Beschluss des EZB-Rats, auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise im Mai 2010 ein Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen aus Krisenstaaten aufzulegen. Als der damalige Bundesbankpräsident Axel Weber den Beschluss öffentlich kritisierte, zogen einige Kommentatoren Parallelen zur desaströsen Staatsfinanzierung durch die Reichsbank in den 30er-Jahren. Von diesem Glaubwürdigkeitsverlust hat sich die EZB nicht erholt.
Hinzu kommen Berichte, dass die EZB und die 17 nationalen Euro-Notenbanken in großem Volumen faule Anleihen als Sicherheiten akzeptiert und sich so Risiken im Umfang von Hunderten Milliarden Euro auf die Bilanzen geholt haben. Einige Ökonomen halten die EZB und die 17 Zentralbanken des Euro-Systems inzwischen für eine riesige Bad Bank. Dass die Notenbanker im Frankfurter Eurotower solche Äußerungen meist nur mit Schweigen quittieren, kann man als souveräne Reaktion deuten. Doch beim breiten Publikum dürfte das Schweigen als Schuldeingeständnis ankommen.
Viel wichtiger für den Glaubwürdigkeitsverlust ist jedoch, dass die Frankfurter Währungshüter seit September 2008 ihre Rolle als unabhängige Notenbanker verlassen haben. Stattdessen wurde die EZB zum politischen Akteur, der bei der Krisenbewältigung des Euro-Raums die Schlüsselrolle spielt. Das führt zur Politisierung des Währungsinstituts, zu einer Verwischung von Grenzen und zu Interessenkonflikten, die der Notenbank Schaden zufügen. Augenfälligstes Beispiel ist, wie wichtig die EZB bei den Rettungsprogrammen für die Krisenstaaten Griechenland, Irland und Portugal geworden ist.

Teil 2: Glaubwürdigkeit einer Gewerkschaft

  • FTD.de, 09.06.2011
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Kommentare
  • 20.06.2011 18:39:47 Uhr   pigbeater: @focus: Papandreu fordert Reformen

    Aktuelle Nachricht aus Griechenland:

    “Papandreou machte den aufgeblähten Staatsapparat für die Schuldenkrise Griechenlands verantwortlich. Um den anstehenden Herausforderungen zu begegnen, bedürfe es eines "Wechsels des politischen Systems", sagte er. Eine neue Verfassung würde zudem die strafrechtliche Verfolgung von Regierungsmitarbeitern vereinfachen.“

    Das ist wohl der wahre Kern des Griechenland-Problems und deckt sich zu 100% mit der Analyse von “pigbeater“ bezüglich des aktuellen politischen Systems.

    Es führt kein Weg am schlanken Staat und an der breiten Direkten Demokratie vorbei…..
    -- Abschied vom "Dolce Vita" des "Sich- Durchfüttern- Lassens" aller Staatsbediensteten in den betroffenen Ländern von dem rund einen Drittel der Bevölkerung, das Werte in der Freien Wirtschaft durch harte Arbeit schafft.
    -- Solides Wirtschaften im globalen Wettbewerb bei einer wettbewerbs-verträglichen Staatsquote von maximal 30% mit konsequentem und gezieltem Abbau der Staatsverschuldungen.....
    -- Verwaltungsvereinfachung durch Beschränkung auf das Notwendige, keine Parallelverwaltungen in EU, Bund, Ländern, Kreisen und Gemeinden.
    -- Privatisierung aller Dienstleistungen des Staates durch Abbau von ca. 50% der überflüssigen Staatsbediensteten, die zur Zeit “defacto Edel-Hartz-4-Empfänger“ sind (ca. 10facher H4-Satz !)
    -- Einführung einer breiten Basisdemokratie, die den Anteil der Beamten in der Politik auf ihren realen Anteil an der Bevölkerung begrenzt.

  • 19.06.2011 15:35:07 Uhr   focus: @pibbeater
  • 17.06.2011 17:56:21 Uhr   pigbeater: @focus: Staatsquote und Wettbewerb
  • 15.06.2011 23:59:57 Uhr   focus: @pigbeater - Nachklapp -
  • 15.06.2011 22:06:48 Uhr   focus: @pigbeater
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