Windräder an der Küste der dänischen Insel Samsö
Und da kommt Jørgen Tranberg ins Spiel und seine kleine Insel Samsø, wo er demnächst die Pfirsichbäume pflanzen will. Er ist ein bulliger Mann im Blaumann, mit fleischigen Fingern, borstigem blonden Haar, aufgeweckten blauen Augen. Einer, der den verschütteten Kaffee mit dem Ärmel aufwischt. Ausgerechnet an ihn klammern sich die Hoffnungen, dass man die Klimakatastrophe doch noch abwenden kann. Deswegen kam letztens auch das 12-köpfige Fernsehteam aus Japan eingeflogen und im Frühjahr 42 Botschafter aus aller Welt. Sie wollten das Wunder sehen.
Das angebliche Wunder von Samsø begann vor zwölf Jahren. Die Insel hatte bei einem Wettbewerb der Regierung mitgemacht: Die Gewinnerregion sollte in zehn Jahren CO2-neutral werden. Ein Ingenieur vom Festland hatte einen Plan für Samsø eingereicht - und gewonnen.
Auf der Insel hatte davon kaum einer etwas mitbekommen. Als Journalisten den Bürgermeister damals fragten, was denn nun unternommen werde, musste der erst einmal im Projektplan
nachlesen.
Ein gutes Geschäft
Warum gerade Samsø von der Regierung ausgewählt wurde, verstanden die Samsinger eigentlich selbst nicht so richtig. Eine Theorie geht so: Wenn Samsø CO2-neutral werden kann, eine eher arme Region, wo sture Bauern nicht einmal einen winzigen Rand ihrer Felder verkaufen wollen, um Radwege zu bauen, dann kann es wirklich jeder.
Tranberg war einer der ersten, die mitmachten, aber ums Klima ging es ihm nicht. "Da hat doch vor zwölf Jahren noch keiner von gesprochen." Er sah vor allem das gute Geschäft: 2,5 Mio. Euro lieh er sich von der Bank, investierte es in ein Windrad an Land, an einer Offshore-Turbine hält er heute einen Anteil. Die Regierung hatte damals die Stromversorger dazu gezwungen, den Windbauern zehn Jahre lang einen festen Preis zu zahlen, der über den Produktionskosten liegt. Für Tranberg war das kein Klimaprojekt, es war ein todsicheres Geschäft.