Die Frage stellen sich derzeit Millionen Italiener. Um den Schuldenkollaps abzuwenden und bei den europäischen Partnern zu punkten, packt Monti das an, was unter seinem Vorgänger Silvio Berlusconi 17 Jahre lang ruhte. Derzeit peitscht er ein Sparpaket von 30 Mrd. Euro durch das Parlament. Wichtigster Baustein ist der Umbau des Rentensystems.
Künftig müssen alle länger arbeiten, Frührenten werden verschärft, und selbst für kleine Pensionen fällt die Anpassung an die Teuerung weg. Was den Kapitalmarkt erfreut, versetzt ein ganzes Land in Aufruhr: Allen voran die Gewerkschaften sprechen von Ungerechtigkeit und legen mit Streiks das Land lahm. Am Freitag beispielsweise tut sich im Nahverkehr nichts mehr.
Wegen des hohen Tempos fehlt der Regierung der Blick für Details. Und für besondere Fälle wie für die rund 7000 Ex-Alitalia-Angestellten, zu denen Gazzoli gehört. Ihre Leidensgeschichte beginnt im Sommer 2008.
Das einstige Aushängeschild Alitalia ist de facto bankrott. Ein Konsortium um die Bank Intesa Sanpaolo gründet ein neues Unternehmen, die Compagnia Aerea Italiana. Sie übernimmt die guten Teile - und stößt die schlechten ab. Was in der nationalen Presse als "Rettung" gefeiert wird, hat harte soziale Konsequenzen. Ältere Mitarbeiter wie Gazzoli werden in die Cassa Integrazione abgeschoben.
Das ist eine Art Endbahnhof für alle, die nicht mehr gebraucht werden. Der Staat verspricht, 80 Prozent des Gehalts zu zahlen und sie dann nach sieben Jahren in Rente gehen zu lassen. Mit der Monti-Reform ist das hinfällig: "Erst haben sie uns die Arbeit genommen. Und jetzt nehmen sie uns auch die Rente", sagt Gazzoli.