Spätestens seit 2007 befindet sich der Wirtschaftsjournalismus in seiner vielleicht größten Krise. Es war nur ein minimaler Anteil der Journalisten, die die Megakrise 2008 haben kommen sehen. Offenbar haben auch nur wenige Journalisten die immer komplizierteren Produkte der Finanzindustrie (Verbriefungen, Derivate usw.) verstanden.
Seit Jahren und auch in den letzten Monaten zur Schuldenkrise erleben wir eine unglaubliche Vielstimmigkeit und Besserwisserei des Journalismus mit völlig unterschiedlichen und total gegensätzlichen Vorschlägen und Ansätzen zur Krisenbewältigung und mit völlig unterschiedlicher Kritik an den Lösungswegen.
Diese Vielstimmigkeit der Experten und Journalisten liefert der Politik nicht gerade eine Handlungsanleitung, sondern genau das Gegenteil. Ein Teil der Experten und Journalisten loben die Politik für bestimmte Maßnahmen und ein anderer Teil klopft genau das in die Tonne, was auch zeigt, dass es den einen Königsweg nicht gibt.
Viele Experten und Journalisten berücksichtigen auch nicht, dass wir es in Europa mit 27 und in der Eurozone mit 17 demokratischen und souveränen Staaten zu tun haben, die teilweise völlig unterschiedliche Interessen haben, aber zu einer einheitlichen Position finden müssen. Demokratie ist eben nicht einfach, aber es ist die beste Staatsform.
Herr Fricke kommt mir in der Schuldenkrise immer vor wie jemand, der mehrere Drogenabhängige mit neuen Drogen versorgen möchte, damit es denen besser geht und sie sich gut fühlen. Vielleicht ist aber eine Entziehungskur die bessere und dauerhaftere Lösung.
Zahlreiche Kolumnen des Herrn Fricke sind einfach Stückwerk, sie sind inhaltlich einfach nicht rund und nicht in sich stimmig. Das ist weitgehend auch bei der aktuellen Kolumne so.
Nach Jahren Krise schauen wir Leser viel genauer hin, was berichtet wird und da schneidet Herr Fricke oft nicht gut ab.