FTD.de » Politik » Europa » Wolfgang Münchau - Oh du teures Hellas

Merken   Drucken   30.03.2010, 19:01 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau - Oh du teures Hellas  

Die Phobie von Kanzlerin Merkel, Athen schon Darlehen zu gewähren, bevor der Zugang zum Kapitalmarkt abgeschnitten ist, führt auf einen Irrweg. Das erhöht unnötig die Kosten der Euro-Krise. von Wolfgang Münchau 
Ich teile zwar nicht die konservative Rechtsauffassung deutscher Verfassungsrichter bezüglich der europäischen Integration. Ich respektiere sie aber, denn sie entstammt einer ehrlichen und detaillierten Analyse, und sie hat tiefe Wurzeln in der Philosophie des deutschen Verfassungsrechts.
Was ich allerdings für verachtungswürdig halte, sind Argumente wie die der Wirtschaftswissenschaftler und Staatsrechtler Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling, Karl Albrecht Schachtschneider und Joachim Starbatty. Die Herrschaften sehen einerseits die deutsche Verfassung bedroht für den Fall, dass die Bundesregierung Griechenland in irgendeiner Form unterstützt. Andererseits propagieren sie im selben Atemzug einen eklatanten Rechtsbruch, indem sie Griechenland dazu auffordern, den Euro-Raum zu verlassen. Wenn sie die Europäischen Verträge gelesen hätten, die Deutschland unterzeichnet hat, dann wüssten sie, dass dies genauso wenig rechtens ist wie eine Schuldenübernahme durch andere Mitgliedsstaaten. Man würde Geist und Inhalt der Verträge verfälschen, wenn es einem Land möglich wäre, nach Gutdünken in den Euro-Raum ein- und auszutreten. Ich schließe daraus, dass es den Professoren nicht in erster Linie um das Recht geht. Sie verfolgen eine andere Agenda.
Die Griechenland-Phobie hat sich mittlerweile selbst in der Bundesregierung durchgesetzt. Sie wird aber nach hinten losgehen, denn wenn Deutschland erst dann Notkredite gewährt, wenn Griechenland keinen Zugang zum Kapitalmarkt hat, und dann zu Marktzinsen, dann wird Griechenland innerhalb der nächsten zwei Jahre unweigerlich Zahlungsverzug anmelden und damit Deutschland und vor allem deutsche Banken in den Abgrund reißen.

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  • Aus der FTD vom 31.03.2010
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Kommentare
  • 11.04.2010 18:27:32 Uhr   Thomas Müller: @Fokus

    Ich weiss, wir sind grundsätzlich auf einer Seite. Bei aller berechtigten Kritik an dem Finanzsektor, Griechenland, der deutschen Politik etc. sollte die Kritik dennoch treffen. Verbriefungen sind nicht grundsätzlich Teufelszeug, die Griechen können vieles besser machen, aber sind nicht alleine Schuld und Rating-Herabstufungen sind nicht positiv für die Banken. Würde allerdings zu weit führen, dass hier zu diskutieren. Vielleicht kann man ja irgendwie persönlich in Kontakt kommen.

  • 10.04.2010 21:54:50 Uhr   fokus: @Thomas Müller
  • 10.04.2010 17:58:23 Uhr   Thomas Müller: @Solidarität ist keine Einbahnstraße
  • 10.04.2010 17:36:23 Uhr   Thomas Müller: @fokus
  • 10.04.2010 10:58:11 Uhr   fokus: Lettland, Rumänien, Ungarn
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