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Merken   Drucken   24.11.2010, 12:03 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Zeise - Das Positive an der Irland-Krise

Anders als im Fall Griechenland kann diesmal niemand leugnen, dass das Problem die Banken sind. Europas Regierungen sollten daher nur konsequent sein - und sie untergehen lassen. von Lucas Zeise 
Die irische Variante der Euro-Krise ist in all ihrer Misere etwas erfreulicher als die griechische. Denn es fällt bei Irland schwer, irgendwelche Phantom-Ursachen für die Krise verantwortlich zu machen und Pseudolösungen zu installieren. Es ist allzu offensichtlich, dass Irland nicht deshalb Probleme hat, weil die Regierung beim Staatshaushalt geschlampt hätte, sondern weil die Banken des Landes sich während des Kreditbooms bis 2007 massiv überhoben haben. Es ist auch offensichtlich, dass Irland die Finanzhilfe nicht braucht, weil es seine Schulden bedienen kann. Vielmehr sorgen sich die Banker Europas, dass der irische Staat nicht mehr genug Liquidität vorhalten kann, um die drohende Pleite einer oder gar mehrerer Banken im Land schnell aufzufangen. Deswegen drängen sie der irischen Regierung eine Kreditlinie förmlich auf.
Weil der Kern des Problems der marode Finanzsektor ist, ist im Fall Irland auch noch offensichtlicher als im Fall Griechenland, dass eine Verschärfung des dummen Stabilitäts- und Wachstumspaktes rein gar nichts zu einer Lösung des Problems beitragen kann. Das hindert zwar den EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet nicht daran, auch dieses Mal wieder genau diese Verschärfung zu fordern. Aber Trichet gibt sich häufig einfältiger, als er in Wirklichkeit ist. Er glaubt wahrscheinlich, den Bankern in Europa einen Gefallen zu tun, wenn er von ihrer akuten Gefährdung ablenkt.
Schon jetzt verteuert die Irland-Krise die Refinanzierung der Banken im Euro- und Pfund-Raum. Die ungebremste Bankpleite einer irischen Bank könnte das Bankensystem in Europa ganz schön ins Wanken bringen. Auch die Krise der griechischen Staatsfinanzen war eine Folge des Boom and Bust des Finanzsektors unter den unwirtlichen Bedingungen einer verfehlten Euro-Konstruktion. Im Fall Irland fällt der Zusammenhang aber selbst dem wenig geübten Beobachter auf.
Vielleicht erklärt sich so auch das sonderbare Verhalten der deutschen Kanzlerin und ihrer Regierung in dieser Krisenetappe. Sie forderten lautstark und immer wieder die "Beteiligung des Privatsektors" bei den Rettungsaktionen für klamme Euro-Staaten. Wer wie ich zum Beispiel hoffnungsfroh geglaubt hatte, die Bundesregierung bereite nun die geordnete Insolvenz einiger oder gar aller Euro-Staaten und die Banken auf den fälligen Forderungsverzicht vor, wurde alsbald eines Schlechteren belehrt.
Empfohlen wurde den Euro-Partnerländern stattdessen die Emission zweit- oder drittklassiger Anleihen, man könnte sie in Anlehnung an die Hypothekenkredite in den USA auch Subprime-Bonds nennen, deren Zeichner von vornherein mit einem partiellen Ausfall rechnen sollten. Diese Risikoübernahme würden sie sich mit hohen Zinsen gut bezahlen lassen. Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou beklagte sich zu Recht, dass Angela Merkels Gerede über die Beteiligung des Privatsektors die Renditen griechischer Staatsanleihen noch höher getrieben habe.
Kursinformationen und Charts
  Euro 1,25558 USD  [0.00341 +0,27%
Weil sich keine bessere Erklärung anbietet, muss man wohl annehmen, dass das Gerede von der Beteiligung des Privatsektors eben damit zu tun hat, dass diese Regierung nicht schon wieder als ausführendes Organ der Banken erscheinen will. Wie schon im Frühjahr, als Angela Merkel finanzielle Hilfen für andere Euro-Länder zunächst kategorisch ausschloss, um schließlich doch die Rettungsprogramme auf den Weg zu bringen, redet die Kanzlerin auch nun wieder so, als ginge es ihr nur darum, die deutsche Öffentlichkeit irrezuführen und ruhigzustellen. Die Wirkung im übrigen Europa und an den Finanzmärkten scheint ihr egal zu sein.

Teil 2: Krise zwingt Regierungen, Realitäten anzupassen

  • Aus der FTD vom 24.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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