FTD.de » Politik » Europa » Lammert allein im Kampf gegen die Korruption
Merken   Drucken   09.11.2012, 06:00 Schriftgröße: AAA

Positionspapier vom Parlamentspräsident: Lammert allein im Kampf gegen die Korruption

161 Staaten haben die Uno-Konvention zur Korruptionsbekämpfung ratifiziert - Deutschland bekommt es nicht hin. SPD und CDU zanken um Details, die Wirtschaft wartet seit 9 Jahren auf eine Einigung. Jetzt legt Norbert Lammert ein eigenes Positionspapier vor - ungewöhnlich für einen Parlamentspräsidenten.
© Bild: 2012 dpa-Bildfunk/Wolfgang Kumm
Exklusiv 161 Staaten haben die Uno-Konvention zur Korruptionsbekämpfung ratifiziert - Deutschland bekommt es nicht hin. SPD und CDU zanken um Details, die Wirtschaft wartet seit 9 Jahren auf eine Einigung. Jetzt legt Norbert Lammert ein eigenes Positionspapier vor - ungewöhnlich für einen Parlamentspräsidenten.
von Berlin

Nach jahrelangem Ringen um die Ratifizierung einer Uno-Konvention zur Korruptionsbekämpfung macht Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) den Abgeordneten jetzt Dampf. Mit einem eigenen Vorstoß zur Umsetzung der international weitgehend ratifizierten Konvention wendet Lammert sich an die Parlamentarischen Geschäftsführer der Bundestagsfraktionen. In dem Positionspapier, das Lammert vor zwei Wochen verschickt hatte und das der FTD vorliegt, regt der CDU-Politiker eine Verschärfung des Paragrafen 108e im Strafgesetzbuch zum Verbot der Abgeordnetenbestechung an.

Dass ein Parlamentspräsident selbst einen Regelungsvorschlag unterbreitet, ist äußerst ungewöhnlich. Üblicherweise kommen derartige Initiativen aus den Fraktionen im Bundestag. Lammert dringt jedoch schon seit Langem auf eine Ratifizierung der Anti-Korruptions-Konvention. Bislang gibt es zwar Entwürfe der Oppositionsfraktionen von SPD, Grünen und Linkspartei. Union und FDP blockieren aber, weil sie fürchten, dass sich der Staatsanwalt dann künftig für Treffen der Abgeordneten mit Lobbyisten und für Einladungen von Verbänden und Firmen interessiert.

Anlehnung an SPD-Konzept

Nachdem vor drei Monaten die Chefs von 35 Großkonzernen einen dringenden Appell zur Einigung an die Spitzen der Bundestagsfraktionen geschickt hatten, gibt es auch in der Union Bewegung. Pikant ist, dass Lammert sich als CDU-Politiker mit seinem Vorstoß an den Entwurf der SPD anlehnt. So macht sich der Parlamentspräsident dafür stark, den Paragrafen 108e, der bisher lediglich Stimmenkauf und -verkauf unter Strafe stellt, um den Straftatbestand der Vorteilsannahme zu erweitern. Damit wären auch das Anbieten und die Annahme eines "ungerechtfertigten Vorteils" wie etwa Sachgeschenke "als Gegenleistung für eine Handlung im Auftrag oder auf Weisung" strafbar - wie im Uno-Abkommen vorgesehen.

Damit die Abgeordneten trotz der Verschärfung nicht in ihrer parlamentarischen Arbeit eingeschränkt werden, schlägt Lammert eine Klarstellung im Gesetzestext vor: "Ein politisches Mandat oder eine politische Funktion stellen keinen ungerechtfertigten Vorteil im Sinne dieser Vorschrift dar", heißt es in seinem Entwurf. "Gleiches gilt für eine nach dem Parteiengesetz oder entsprechenden Gesetzen zulässigen Spende." Demnach sind politisch und sozial angemessene Verhaltensweisen auch nach den verschärften Anti-Korruptions-Regeln weiterhin nicht strafbar.

Mehrere Anläufe gescheitert

Die damalige rot-grüne Bundesregierung hatte das Uno-Abkommen 2003 unterzeichnet, seither steht aber die Ratifizierung im Bundestag noch aus. Mehrere Versuche, die Vorgaben im deutschen Strafrecht zu verankern, scheiterten. CDU und CSU stört, dass in dem Uno-Übereinkommen nicht klar zwischen Amts- und Mandatsträgern unterschieden wird. Anders als Beamte seien Abgeordnete nicht an bestimmte Dienstpflichten gebunden, sondern frei in ihrer Entscheidung.

Die SPD argumentiert dagegen, Staatsanwälte könnten differenzieren und hielten einen Abgeordneten auch nach den neuen Regeln nicht schon allein deshalb für korrupt, weil er beim parlamentarischen Abend eines Unternehmens gegessen und getrunken habe. Anders als Deutschland haben 161 Staaten ihr Ratifizierungsverfahren inzwischen abgeschlossen.

  • Aus der FTD vom 09.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler