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Merken   Drucken   06.02.2012, 20:48 Schriftgröße: AAA

Rettung für Hellas: Vorschlag zur Kapitulation

Leitartikel Im Kampf gegen eine Pleite Griechenlands ändert sich die Zielrichtung. Es geht weniger um die Rettung an sich, sondern darum, bei der möglicherweise doch eintretenden Insolvenz des Landes das Gesicht zu wahren.
Wir erleben gerade Erstaunliches: Die 130-Mrd.-Euro-Preisfrage in Sachen Griechenland-Rettung wird von den Rettern umfunktioniert.
In Wirklichkeit scheint es nicht mehr um das Wie zu gehen - also darum, wie eine Insolvenz der Griechen verhindert werden kann. Denn daran glauben augenscheinlich immer weniger Beteiligte. Inzwischen geht es vor allem darum, wer bei einer möglichen Pleite noch am ehesten das Gesicht wahren kann. Keiner möchte sich am Schluss den Vorwurf gefallen lassen, nicht alles getan zu haben gegen die erste Pleite eines Euro-Zonen-Mitglieds. Oder möglicherweise gar an dessen Ausstieg aus der Währungsunion schuld zu sein.
Natürlich ist das eine Unterstellung, denn natürlich wird in Athen noch atemlos verhandelt über Reformen und Sparpakete, über Schuldenschnitt und Hilfen. Aber was in den vergangenen Tagen plötzlich an Vorschlägen auf den Tisch kommt - erst der Sparkommissar, jetzt das Sperrkonto -, zeigt: Hier wird schon mal die Rausschmeißermusik aufgelegt. Zumal das Ganze begleitet ist von gut orchestrierten Aussagen, dass die Geduld mit den Griechen ja auch irgendwann ein Ende haben muss.
Sowohl die deutsche Kanzlerin als auch der französische Staatspräsident wissen, dass die Griechen die Forderung nach einem Sonderkonto genauso wenig erfüllen werden wie die nach einem Sparkommissar. Es wäre die totale Kapitulation. Kein Parlament eines demokratischen Gemeinwesens kann es wagen, sich seine Haushaltshoheit über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte pfänden zu lassen. Selbst wenn es so nah am finanziellen Abgrund steht wie Griechenland.
Solche unerfüllbaren Forderungen zu stellen ist deshalb sehr viel bequemer, insbesondere für Angela Merkel, als die unbeliebte Griechenland-Hilfe weiter innenpolitisch vertreten zu müssen. Sollten sich die Griechen im Ernstfall querstellen, wären sie am Ende selbst schuld an Insolvenz und Euro-Aus. Schließlich hätten sie ja den Sparkommissar, hilfsweise das Sonderkonto (und die anderen Reformen und Sparpakete) akzeptieren können. Und auch den griechischen Politikern nutzen solche Extremforderungen der Retter: Sie können sich als Patrioten aufplustern, während das Land dank ihrer Unfähigkeit in die Pleite rauscht.
  • Aus der FTD vom 07.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 07.02.2012 19:24:19 Uhr   Sikke Loling: Eine griechische Staatsinsolvenz

    ist nur das Vorspiel. Auch von Deutschland wird man bald fordern auf das Haushaltsrecht zu verzichten und dann wird Deutschland geplündert wie eine Kolonie aus dem letzten Jahrhundert.

  • 07.02.2012 12:36:03 Uhr   Gast: Pfändung? Welcher Haushalt?
  • 07.02.2012 12:21:38 Uhr   the Analyst: und sie streiken weiter
  • 07.02.2012 09:31:32 Uhr   Michel: Demokratische Sukzession
  • 07.02.2012 09:31:22 Uhr   straub: hellas
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