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Merken   Drucken   09.08.2012, 18:09 Schriftgröße: AAA

Risse im AKW bei Antwerpen: Belgische Atomaufsicht ruft weltweite Reaktorsuche aus

In Belgien hat die Atomaufsicht angeordnet, in einem AKW bei Antwerpen einen von vier Blöcke abzuschalten - Risse im Reaktorbehälter sind möglich. Weltweit wird fieberhaft nach 21 weiteren Meilern dieses Typs gesucht.
© Bild: 2012 AFP/BRUNO FAHY
In Belgien hat die Atomaufsicht angeordnet, in einem AKW bei Antwerpen einen von vier Blöcke abzuschalten - Risse im Reaktorbehälter sind möglich. Weltweit wird fieberhaft nach 21 weiteren Meilern dieses Typs gesucht.

Die belgische Atomaufsicht hat einen von insgesamt vier Reaktorblöcken im Kernkraftwerk Doel bei Antwerpen bis auf Weiteres stillgelegt. Nach Mitteilung der Aufsichtsbehörde AFCN besteht der Verdacht, dass es feine Risse im Reaktorbehälter des Kraftwerksblocks 3 gebe. Vom gleichen Typ existierten weltweit noch 21 andere Reaktorbehälter. Sie wurden von einer seit 1996 nicht mehr bestehenden Firma in Rotterdam (Niederlande) gefertigt.

Belgiens Innenministerin Joëlle Milquet versicherte, es bestehe keine Gefahr, weil der Reaktor stillgelegt sei. Die belgische Aufsichtsbehörde bat weltweit um Prüfung, wo Reaktorbehälter dieses Typs noch verbaut wurden. Der Netzbetreiber Elia teilte mit, die Energieversorgung Belgiens sei nicht gefährdet. In der kommenden Woche soll auch das Atomkraftwerk Tihange 2 südlich von Lüttich für Kontrollen abgeschaltet werden.

Die möglichen Risse im Reaktor Doel 3 mit einer Leistung von rund 1000 Megawatt wurden nach Angaben der AFCN bei einer seit Anfang Juni laufenden Routineinspektion mit neuen Ultraschall-Messgeräten entdeckt. Bisher sei noch nicht klar, wie groß die Schäden am Reaktorbehälter tatsächlich seien. Es seien "zahlreiche Hinweise" auf Fehler im Stahl des Reaktorbehälters gefunden worden. Diese Fehler seien möglicherweise aber nicht gefährlich. Dies werde derzeit untersucht.

Die Zeitung "Le Monde" berichtete am Donnerstag, von den 21 anderen Reaktorbehältern seien zehn nach Europa geliefert worden, darunter jeweils zwei nach Deutschland, Spanien, die Niederlande und in die Schweiz. Die Sprecherin der AFCN, Karina De Beule, bestätigte dies nicht. "Da die Herstellerfirma nicht mehr besteht, wissen wir nicht, welche Kunden es gab. Wir haben alle anderen Atomaufsichtsbehörden über unseren Fall informiert und gebeten zu prüfen, ob in ihrem Land ebenfalls ein solcher Reaktorbehälter existiert", sagte sie in Brüssel.

Im Reaktorbehälter befinden sich die nuklearen Brennstäbe. Der Behälter ist nach Angaben der AFCN 13 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 4,40 Metern und wiegt 330 Tonnen. Die Wände sind bis zu 20 Zentimeter dick. Doel 3 wurde 1982 in Betrieb genommen, der Reaktorbehälter schon Anfang der 70er-Jahre von der niederländischen Werft Rotterdamsche Droogdok Maatschappij gebaut.

Die EU-Kommission wurde nach Angaben einer Sprecherin vom Donnerstag von den belgischen Behörden nicht über die Stilllegung des Reaktors informiert. Die Sicherheitskontrollen von Atomkraftwerken seien eine nationale Angelegenheit: "Es ist die Aufgabe der nationalen Behörden und nicht unsere, zu handeln, eine Anlage zu schließen oder die Technik zu verbessern." Eine Unterrichtung der EU-Kommission sei nur bei Unfällen vorgeschrieben, die Auswirkungen auf andere Mitgliedstaaten haben könnten.

Die vier Reaktorblöcke in Doel und drei Blöcke in Tihange gehören zu den beiden einzigen Atomkraftwerken in Belgien. Sie produzieren 55 Prozent des belgischen Stromverbrauchs. Das Parlament hatte schon 2003 beschlossen, dass die beiden Atomkraftwerke zwischen 2015 und 2025 schrittweise abgeschaltet werden sollten. Der Plan für den Atomausstieg muss möglicherweise geändert werden. Sollten Doel 3 und Tihange 2 aus Sicherheitsgründen sofort und dauerhaft stillgelegt werden müssen, so gilt als fraglich, ob Doel 1 und 2 wie bisher geplant 2016 vom Netz gehen könnten.

  • dpa, 09.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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