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Merken   Drucken   14.10.2011, 09:00 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Die Euro-Retter im Teufelskreis

Kommentar Europa will rasch handeln, um ein Lehman II zu verhindern. Muss es auch. Doch inzwischen ist die Lage so verfahren, dass es überall Zwickmühlen gibt. Eine Lösung ohne Restrisiko ist nicht mehr möglich. Die Politik trägt gehörige Mitschuld an der Misere. von Thomas Schmoll 
Auch wenn er in der Euro-Krise wahrlich nicht alles richtig gemacht hat, eine "Lame Duck" ist Jean-Claude Trichet noch lange nicht. Im Gegenteil. Der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) findet nach wie vor Gehör - an den Märkten sowieso, meist auch in der Politik. Vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments richtete er Anfang der Woche einen Appell an die Regierungen des Kontinents, der wie Donner hallte. Er sprach aus, was kein wirklich wichtiger Banker bis dahin wagte, zumindest nicht in dieser Klarheit: Der Welt droht ein Lehman II.
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Der griechischen Tragödie wies der Franzose "systemische Dimenension" zu. Heißt: Mittlerweile sind auch jene Player am Markt betroffen, die den gesamten Wirtschaftskreislauf am Leben erhalten. Kleinere Länder hätten schon größere infiziert, konstatierte Trichet. Kurz darauf legte er in der "Welt" noch einen drauf: "Der Euro als Währung ist offensichtlich nicht in Gefahr. Es ist die Finanzstabilität des Euro-Raums insgesamt, die gefährdet ist."
Spätestens seit Trichets Warnschüssen wird klar, wie ernst die Lage ist. Da bedurfte es gar nicht mehr der - von Berufs wegen - noch dramatischeren Appelle von Crashprophet Nouriel Roubini, der im "Stern" einen Zusammenbruch der Finanzmärkte und eine weltweite Depression weissagte, wenn Europa keine "Brandmauer" um Spanien und Italien errichte: "Die Zeit läuft davon." Stimmt. Das weiß auch Trichet, der Europas Regierungen ermahnt: "Entscheidungen müssen getroffen werden - und zwar so schnell wie möglich."
Als EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso überraschend schon für Mittwoch, also einen Tag nach Trichets flammenden Appell, "einige Vorschläge" als "umfassende Antwort" auf die Krise ankündigte, jubelten die Märkte. Doch Barroso präsentierte keine Ideen, sondern sich einmal mehr als Dampfplauderer. Er legte nichts vor, was nicht bereits bekannt war, verlangte dafür aber (mal wieder) ein Opfer von Banken und ihren Eigentümer: Sie sollten auf Dividenden verzichten, damit die Institute ihr Kernkapital aufstocken könnten.
Typisch für das Europa des 21. Jahrhundert. Nichts geht schnell. Die Institutionen sind zu ineffektiv, Abstimmungsprozesse langwierig. Zumal: Auf dem Kontinent sind seit Monaten mutlose, abwartende und ewig taktierende, da auf nationale Belange schielende Bedenkenträger am Werk. Das ist schon schlimm genug. Noch schlimmer ist, dass sich die Akteure etliche Zwickmühlen und Sackgassen gebastelt haben, die den Bürgern den Durchblick erschweren oder unmöglich machen, aber vor allem den Weg für eine tiefgreifende und schnelle Lösung versperren.

Teil 2: Die Ei-Huhn-Frage wird zum Dauerbegleiter der Krise

  • FTD.de, 14.10.2011
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Kommentare
  • 15.10.2011 18:27:34 Uhr   Alfred: Henne- Ei? Nein, die Schuldigen stehen fest!

    Nein, dieser Aspekt ist völlig falsch. Die Schuldigen der Krise sind ganz klar in der Politik zu suchen, die den Finanzmärkten seit den 90-er Jahren freie Hand gelassen haben. Wer kann es irgendwelchen geldgierigen Leuten (Bankern) verdenken, dass sie das ausgenutzt haben.

    Spätestens mit dem Platzen der Internet-Blase 2001 hätte die Politik gewarnt sein und Gegenmassnahmen einleiten müssen. Stattdessen wurde weitergemacht und zugeguckt. Ungeeignete Länder wurden in den Euro aufgenommen, Deutschland hat als eines der ersten Länder ohne Strafe gegen den Stabilitätspakt verstossen. Ein absolutes Unding, was die Absurdität des Euros zeigt.

    Es hat keinen Sinn mehr, sich an den Euro zu klammern. Wer das tut, führt den zwangsläufigen Reset nur schneller herbei. Insofern gilt es jetzt, sich selbst zu retten. Die Slowakei beispielsweise, hätte als Land was viele Opfer für die Konsolidierung gebracht hat, lieber aus der EU austreten sollen, anstatt ihren Bürgern, die einen niedrigeren Lebensstandard haben als die Griechen, Belastungen zuzumuten.

    Und das Gleiche gilt jetzt für Deutschland. Ich gehe davon aus, dass Frankreich demnächst sein AAA-Rating verlieren wird - spätestens dann wird auch Deutschland unter Druck kommen. Was dann folgt, ist ein absoluter Crash mit anschliessender Währungsreform.

    Daher ist es im Interesse der Bürger und ihrer Ersparnisse dringend notwendig, dass Deutschland so schnell wie möglich die Eurozone verlässt. Wenn wir das nicht tun, stehen wir als letzter bei diesem Kettenbrief-System da.

  • 15.10.2011 11:53:37 Uhr   Dr. Norbert Leineweber: Eurokrise Frankreich und italien
  • 14.10.2011 20:16:50 Uhr   Dr. Norbert Leineweber: Eurokrise vorprogrammiert
  • 14.10.2011 16:41:18 Uhr   conforma: Teufelskreis der €uro-"Retter"
  • 14.10.2011 13:24:08 Uhr   Andreas Koch: Ganz richtig und eine traurige Erkenntnis daz...
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