Die Marktrenditen zehnjähriger Staatsanleihen stiegen am Dienstagmorgen zeitweise um 0,9 Prozentpunkte auf 18,29 Prozent - den höchsten Wert seit Einführung des Euro. Dreijahrespapiere rentierten in der Spitze sogar mit 25,78 Prozent. Normalerweise sind die Renditen kurzlaufender Anleihen niedriger als bei Langläufern. Die Umkehrung der Verhältnisse macht deutlich, dass Anleger einen Zahlungsausfall Portugals in naher Zukunft fürchten.
Die Marktrenditen sind ein Indikator für die Refinanzierungskosten, mit denen Portugal bei der Emission neuer Staatsanleihen rechnen muss. Für das von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) gestützte Land rückt damit eine Rückkehr an den Kapitalmarkt in weite Ferne. Portugal steckt in einem Teufelskreis, der immer mehr an Griechenland erinnert: Die Zinsen steigen, was die künftige Schuldenaufnahme immer teuer werden lässt und somit bereits jetzt krisenverschärfend wirkt.
"Der IWF erwartet, dass Portugal im ersten Quartal 2013 wieder an den Markt zurückkommt. Das ist zu optimistisch", sagte Ricardo Santos, Volkswirt bei BNP Paribas. Das Wachstum werde geringer ausfallen, als die Regierung erwartet, weil der Sparkurs sowie straffere Kreditbedingungen die Wirtschaft kräftig bremsen würden. Nach einer EU-Umfrage war das Wirtschaftsklima im Januar so schlecht wie noch nie.
Somit könnte Portugal bald neue Hilfen der Euro-Staaten brauchen, was wie in Griechenland mit einen Schuldenschnitt einhergehen könnte, sagen Ökonomen. Dabei macht der Absturz am portugiesischen Anleihemarkt deutlich, wie schnell der Schuldenschnitt in Griechenland auf andere Länder ausstrahlt: Viele Investoren fürchten laut Analysten, dass bei den laufenden Verhandlungen in Athen eine Blaupause für Länder wie Portugal und Irland entsteht und wollten schon deshalb Anleihen abstoßen.