Griechenland fehlt offenbar wesentlich mehr Geld in der Kasse als bislang angenommen. Nach vorläufigen Erkenntnissen der "Troika" aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds müsse im Staatshaushalt eine Lücke von rund 20 Mrd. Euro geschlossen werden. Das ist fast doppelt so viel wie zuletzt von Griechenland eingestanden, berichtet das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Nur wenn die Finanzierungslücke geschlossen wird, kann die nächste Tranche der internationalen Hilfsgelder nach Athen überwiesen werden.
Derzeit kontrolliert die "Troika" die Sparfortschritte Griechenlands. Allerdings haben die Kontrolleure ihre Arbeit in Athen am Wochenende für eine Woche unterbrochen. Die EU-Kommission hatte mitgeteilt, dies weise nicht auf Probleme hin. Es gebe bedeutende Fortschritte. In Athen ringt die Regierung um ein gut 11,5 Mrd. Euro schweres Sparpaket. Die drei Parteien der Regierungskoalition konnten sich bislang noch nicht einigen.
Laut "Spiegel"-Bericht soll der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras mehrfach angefragt haben, ob die öffentlichen Gläubiger bereit wären, auf die Rückzahlung von Schulden zu verzichten. Für die Bundesregierung ist ein weiterer Schuldenerlass für Griechenland aber kein Thema. "Die Frage stellt sich nicht", hatte der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus, am Freitag in Berlin gesagt. Samaras hofft zudem auf zwei Jahre Aufschub für die drastischen Sparauflagen.
Griechenland hat innerhalb der letzten zwei Jahr zwei Hilfsprogramme zugesagt bekommen. Die im Gegenzug verlangten Einsparungen verschärfen die jahrelange Rezession und sorgen im Land für wachsenden Widerstand. Eine überwältigende Mehrheit der Griechen bewertet die neuen Sparpläne ihrer Regierung als sozial ungerecht. In einer am Samstag in Athen veröffentlichten Umfrage erklärten 90 Prozent der Befragten, das neue Reformpaket gehe fast ausschließlich zulasten der ärmeren Teile der Bevölkerung. 33 Prozent der Befragten glauben, dass die neuen Einschnitte die Probleme des Landes nicht lösen würden. Für den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone plädierten 67 Prozent der Befragten.
DPA/Reuters