Um die Widerstandskraft der Banken gegen die Schuldenkrise zu stärken, sollen sie ihre Eigenkapitalpolster aufstocken. Die EU-Staats- und Regierungschefs fordern bis Mitte 2012 eine Erhöhung der Kernkapitalquoten auf neun Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme. Dafür müssen die Institute insgesamt 106 Mrd. Euro auftreiben.
Commerzbank will keine Staatshilfe in Anspruch nehmen
Deutsche Banken brauchen insgesamt 5,2 Mrd. Euro. Davon entfallen 3 Mrd. Euro auf die
Commerzbank . Sie will das Geld mit dem Verkauf von Randbereichen, Gewinnen und der Reduzierung von Krediten aufbringen. Staatshilfe will die Bank möglichst nicht in Anspruch nehmen. "Ich gehe da nicht nochmal hin", sagte Bankchef Martin Blessing am Mittwochabend in Hamburg. Der
Deutschen Bank sollen die Gewinne der nächsten neun Monate reichen, um auf den geforderten Eigenkapitalpuffer zu kommen. Auch die Landesbanken NordLB und LBBW müssen zusätzliches Kapital aufbringen.
In Österreich entfällt der Löwenanteil der fehlenden 2,9 Mrd. Euro auf die angeschlagene ÖVAG. Die ÖVAG wird aber ohnehin auf eine Zentralbank für die regionalen Volksbanken zurechtgestutzt. Der Ersten Bank fehlen dagegen nach deren Angaben ganze 59 Mio. Euro. Staatliche Hilfen werde wohl keine Bank brauchen, sagte Finanzministerin Maria Fekter.
Löwenanteil entfällt auf Institute in Südeuropa
Deutlich mehr Geld brauchen die griechischen Häuser. Für sie veranschlagen die Aufseher pauschal einen Rekapitalisierungsbedarf von 30 Mrd. Euro. Der Grund ist, dass die griechischen Banken die größten Gläubiger ihres Staates sind - der Schuldenerlass trifft sie deshalb besonders hart. Einige Institute müssten vorübergehend verstaatlicht werden, sagte Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Donnerstag. Weil Athen dafür das Geld fehlt, soll die Rekapitalisierung der griechischen Banken aus dem zweiten Hilfspaket der Euro-Partner für Griechenland finanziert werden.
Schild über dem Eingang zur Unicredit-Zentrale in Mailand
Italiens Banken wie die
Unicredit sollen ihr Kapital um zusammen 14,7 Mrd. Euro aufstocken. In Frankreich fehlen insgesamt 8,8 Mrd.Euro, nämlich der
Société Générale 3,3 Mrd.,
BNP Paribas 2,1 Mrd. und der BPCE 3,4 Mrd. Euro. Kein zusätzliches Geld braucht
Credit Agricole .
Der französische Finanzminister Francois Baroin sagte dem Radiosender RTL, die Banken des Landes bräuchten "wahrscheinlich" kein Staatsgeld. Die Geldhäuser könnten die höheren Kapitalanforderungen wohl durch einbehaltene Dividenden und Boni-Kürzungen erfüllen.
Spanische Banken "die großen Verlierer"
Auf die Ausschüttung von Dividenden will die spanische Bank
Santander nicht verzichten - obwohl sich ihr Kapitalbedarf auf 15 Mrd. Euro beläuft. Auch die Ausgabe neuer Aktien sei nicht nötig, teilte das Geldhaus bei der Vorlage der Quartalszahlen mit. Ähnlich äußerten sich die Mitbewerber. Insgesamt benötigen die spanischen Institute 26 Mrd. Euro. Davon entfallen 7,1 Mrd. Euro auf
BBVA , auf Banco Popolar 2,4 Mrd. Euro, Bankia benötigt 1,1 Mrd. Euro und La Caixa 0,6 Mrd. Euro. Nach Einschätzung der Zeitung "El País" sind sie damit die "großen Verlierer des Euro-Gipfels": Sie bräuchten zusätzliches Geld, obwohl sie von dem geplanten Schuldenerlass Griechenlands kaum betroffen seien.
Die spanische Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado sagte in einem Radiointerview: "Ich bin überzeugt, dass die Geldinstitute alles daran setzen werden, ohne Gelder der öffentlichen Hand auszukommen."