In Griechenland soll es nach übereinstimmenden Medienberichten Neuwahlen geben. Am Mittwoch um 12 Uhr MESZ sei eine Sitzung zu den Formalitäten für die Bildung einer Interimsregierung geplant, hieß es nach einem Krisentreffen mit Staatspräsident Karolos Papoulias am Dienstag in Athen. Dann soll auch der genaue Wahltermin mitgeteilt werden. Alle Versuche, eine Regierung zu bilden, waren nach den Parlamentswahlen am 6. Mai gescheitert.
Als wahrscheinliches Wahldatum wurde der 17. Juni genannt. Beobachter gehen davon aus, dass bei Neuwahlen linke und rechte Parteien weiter erstarken könnten. Aus der Abstimmung am 6. Mai war die linksradikale Syriza von Alexis Tsipras als zweitstärkste Kraft hervorgegangen. Tsipras will das Sparprogramm des pleitebedrohten Landes auf Eis legen.
Sozialistenchef Evangelos Venizelos sprach nach dem Krisentreffen von "schlimmen Bedingungen" für Neuwahlen. Einige stellten die Parteiinteressen über das Wohl des Landes, sagte er, ohne Namen zu nennen.
Am Markt kam die Nachricht nicht gut an: Die Renditen für die Staatsanleihen südeuropäischer Länder schossen sofort nach oben. Zehnjährige italienische Bonds legten 13 Basispunkte zu und rentierten mit mehr als sechs Prozent. Die Rendite gleich laufender spanischer Anleihen stieg um 0,06 Punkte auf 6,31 Prozent. Bei fallenden Kursen steigt die Rendite. Der Euro fiel auf ein Vier-Monats-Tief unter 1,28 Dollar. Er verlor damit auf einen Schlag gut einen halben Euro-Cent.
Der DAX rutschte am Nachmittag auf den tiefsten Stand seit Ende Januar. Er verlor rund 1,4 Prozent auf 6361,30 Punkte. Auch die Vorzeichen für den US-Handelsstart drehten auf Rot. "Die Meldung, dass jetzt wirklich Neuwahlen kommen werden, hat hier erst einmal alle aufgescheucht", sagte ein Händler. "So sehr das auch erwartet war, der erste Schreck sitzt tief."