Zugbetreiber wie National Express haben ihr Geschäft mit relativ hohen Schulden betrieben
Während des zehnjährigen Wirtschaftsbooms waren die Passagierzahlen auf dem britischen Gleisnetz permanent gestiegen. Zugbetreiber wie National Express haben ihr Geschäft jedoch mit relativ hohen Schulden betrieben. Mit Ausbruch der Rezession und der Kreditkrise kommt dieses Modell nun ins Schlingern, da die Passagierzahlen deutlich fallen.
National Express ist einer der größten Verkehrskonzerne des Landes. Das Unternehmen betreibt auch Busnetze in den USA, Kanada und Spanien. Der Konzern hatte die Lizenz zum Betrieb auf der Ostküstenstrecke 2007 kurz vor Ausbruch der Kreditkrise zugesprochen bekommen. Er sollte für die Nutzungsdauer der Lizenz bis 2015 insgesamt 1,6 Mrd. Pfund (1,8 Mrd. Euro) bezahlen. Laut National Express fiel auf der Strecke zuletzt ein Verlust von rund 20 Mio. Pfund an.
Der Betreiber versuchte deshalb zunächst, die Vertragsbedingungen neu auszuhandeln. Die Regierung blieb jedoch hart und entzog die Lizenz. "Wir sind nicht bereit, Unternehmen aus der Zwickmühle zu helfen, die ihre Zusagen nicht einhalten. Es ist schlicht nicht hinnehmbar, wenn ein Unternehmen alles mitnimmt, solange die Zeiten gut sind und davonrennt, wenn es schwierig wird", sagte Verkehrsminister Andrew Adonis. National Express könne nicht mehr damit rechnen, in Großbritannien eine Lizenz zu bekommen.
Rivalen wie Virgin Rail oder Stagecoach haben bereits ihr Interesse bekundet, die Strecke als Betreiber vom Staat zu übernehmen. National-Express-Chef Richard Bowker hat den Konzern fluchtartig verlassen und wird künftig die Union Railway in den Vereinigten Arabischen Emiraten führen. Er hatte erst vor Tagen ein Angebot von First Group ausgeschlagen, durch eine Fusion mit dem Wettbewerber die eigene Schieflage auszugleichen.