FTD.de » Politik » International » Splitter aus Davos und Porto Alegre

Merken   Drucken   25.01.2012, 19:04 Schriftgröße: AAA

Abseitiges vom WEF und WSF: Splitter aus Davos und Porto Alegre

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sind drei FTD-Redakteure vor Ort. Auch bei der Gegenveranstaltung, dem Weltsozialforum in Porto Alegre, ist eine Kollegin vertreten. Was das Terzett dort an Skurrilitäten erlebt, zeichnen wir für Sie auf. von Andreas Theyssen  , Sven Oliver Clausen  Davos und Raniah Salloum, Porto Alegre
Ursula von der Leyen hat die Alpha-Männer im Griff   Ursula von der Leyen hat die Alpha-Männer im Griff
"Örsola" von der Leyen macht Dampf
Ursula von der Leyen weiß auch auf der Weltbühne, wie man Alpha-Männer auf Kurs bringt. Hoch konzentriert und charmant präsentierte die Arbeitsministerin deutsche Erfolge und Probleme auf einem Davos-Panel "The Future of Human Capital". Schon nach kurzer Zeit stand "Örsola" im Mittelpunkt des Gesprächs. Beim Thema Frauenquote für Aufsichtsräte kam sie dann auch emotional richtig in Fahrt. Sie habe da jetzt einfach die Nase voll, zehn Jahre nach der Selbstverpflichtung der Wirtschaft sei die Quote gerade mal von 3 auf 3,7 Prozent gestiegen. "Immerhin ein Plus von 25 Prozent" platzte es spöttisch aus Adecco -Chef Patrick de Maeseneire heraus. Ein irritierter Blick von der Leyens - und der schnellrechnende Schweizer stellte eilig klar, dass er natürlich nur gewitzelt hatte.
Der Gast aus Indien hatte die Lage nicht ganz so schnell erfasst. Unbekümmert rühmte Vineet Nayar, CEO des IT-Konzerns HCL, die wichtige Rolle der Mütter für die Bildungserfolge seines Landes. Und fing sich sofort den vernichtenden Blitzkonter von der Leyens ein: Wenn auch die Frauen erst einmal gut gebildet seien, sehe das alles ganz anders aus. Dann müssten auch Rollenbilder in Frage gestellt werden. Nayar stimmte selbstverständlich zu.
Alessandro Profumo interessiert Aktien mehr als die Ansichten von ...   Alessandro Profumo interessiert Aktien mehr als die Ansichten von Star-Ökonomen
Noch bis vor Kurzem galt Alessandro Profumo als der mächtigste Banker des Kontinents. Nach seinem Ausstieg bei Unicredit  2010 privatisiert der 54jährige Italiener. Wie intensiv er das macht, zeigte er eindrucksvoll bei der Diskussionsrunde "The Global Financial Context". Seinen einstigen Kollegen Vikram Pandit , Chef der Citigroup , und Credit-Suisse-Verwaltungsratschef Urs Rohner hörte er noch höflich zu. Als Star-Ökonom Kenneth Rogoff ansetzte, tauchte er dagegen in die Tiefen des World Wide Web ab. "My stocks" - meine Aktien - war die Seite, der er auf seinem iPad die meiste Aufmerksamkeit widmete, und das fortan im Halbstundentakt. Immerhin hat Profumo einiges zu verlieren. Der Multimillionär galt zu aktiven Zeiten auch als einer der best bezahlten Banker des Kontinents.
Sven-Oliver Clausen
Wirtschaftsminister Philipp Rösler ist definitiv Frühaufsteher   Wirtschaftsminister Philipp Rösler ist definitiv Frühaufsteher
Nach Davos reisen immer auch einige Mitglieder der deutschen Regierung. In diesem Jahr sind neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in den Schweizer Bergen. Während die drei CDU-Politiker offizielle Auftritte haben, hält sich Rösler komplett im Hintergrund. Er nutzt das Treffen zu Hintergrundgesprächen mit deutschen Unternehmern und Topmanagern. Am Mittwochabend wurde er beim so genannten "Norddeutschen Abend" des RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann  erwartet, für den Donnerstagmorgen hat er die deutsche Wirtschaftsprominenz zum Frühstück ins feine Hotel Belvédère geladen. Ein Termin für Frühaufsteher: Rösler bittet zum Croissant um 7.30 Uhr.
Sven-Oliver Clausen
George Soros sind die Anlageideen ausgegangen   George Soros sind die Anlageideen ausgegangen
Man kann es ja mal versuchen. Wenn man schon Investmentlegende George Soros vor sich hat, dann kann man ihn auch um einen Anlagetipp bitten. Das jedenfalls hat sich ein Amerikaner gedacht, der bei einem der Davos-Lunches den greisen Investor fragt, ob es sich lohnt, noch in Gold zu investieren und in welchen Ländern es die besten Aktienmärkte gibt. Soros' Antwort ist frappierend. "Ich bin froh, dass ich meinen Hedgefonds nicht mehr führe", sagt der 81-Jährige. "Ich müsste heute auch lange überlegen, um herauszufinden, wo ich investieren würde."
Andreas Theyssen
Carlyle-Mitgründer David Rubenstein gibt dem heutigen Kapitalismus ...   Carlyle-Mitgründer David Rubenstein gibt dem heutigen Kapitalismus keine langfristige Chance
Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist das wahrscheinlich größte Kapitalistentreffen der Welt. Doch irgendwie scheinen sie - nach Finanz- und Schuldenkrise - an kollektiven Selbstzweifeln zu leiden. "Scheitert der Kapitalismus des 20. Jahrhunderts an der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts?" lautet das Thema der ersten Podiumsdiskussion. Gleich zu Beginn lässt der Moderator das Publikum über die Frage abstimmen: Eine deutliche Mehrheit pflichtet bei, ebenso wie später Sharan Burrow, Generalsekretärin des internationalen Gewerkschaftsbundes ITUC.
Selbst Ben Verwaayen, Chef des Telekommunikationsriesen Alcatel-Lucent , kann sich der allgemeinen Stimmung nicht entziehen. "Vielleicht ist die Philosophie des Kapitalismus ja in Ordnung. Das Problem ist aber, wie wir den Kapitalismus handhaben." Und David Rubenstein, Gründer des Private-Equity-Unternehmens Carlyle, wird richtig apokalyptisch: "Wir haben noch drei, vier Jahre Zeit, um unsere Probleme zu lösen - anderfalls ist das Spiel für diese Art von Kapitalismus aus."
Andreas Theyssen
Teilnehmer des Weltsozialforums campieren unter Bäumen im ...   Teilnehmer des Weltsozialforums campieren unter Bäumen im brasilianischen Porto Alegre
Eigentlich sollte das diesjährige Weltsozialforum in Nordafrika stattfinden. Doch in Libyen gäbe es schlicht keine Zivilgesellschaft, die einem bei der Organisation helfen könne, sagt Alaa Talbi, der als einziger Araber in Porto Alegre die Fahne des arabischen Frühlings hochhält. In Ägypten, wo man ursprünglich hin wollte, sei es mit der Regierung nicht zu machen. Und in Tunesien habe man es so schnell nicht hinbekommen, hoffe aber, dass es 2013 zum ersten Mal klappe.
Gut für Porto Alegre, denn mangels Konkurrenz kommen nun wieder Zehntausende aus aller Welt in die Stadt und bevölkern die Hotels. Da hilft es wenig, dass der "Rat des Weltsozialforums", der über den Austragungsort entscheidet, immer wieder betont, dass es doch eigentlich hier dieses Jahr gar nicht das "echte" Weltsozialforum sei, sondern nur ein lokales. Bei den Teilnehmern ist der Unterschied jedenfalls nicht angekommen. Auch Präsidentin Dilma Rousseff wird am Freitag ihre Aufwartung machen.
Raniah Salloum
25. Januar, 12.48 Uhr
"Eigentlich ist Davos krawattenfreie Zone. Anteil 2012 über 50 Prozent. Ein entspannter Eindruck passt nicht in die Zeit (sc) #davos #wef2012"
25. Januar, 16.45 Uhr Wirtschaftsminister Rösler trifft sich zu Hintergrundgesprächen mit deutschen Top-Managern bit.ly/yUmwji (sc) #davos #wef2012
  • FTD.de, 25.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
Kommentar schreiben Pflichtfelder*





Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich!

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote