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  09.11.2009, 16:31    

Afghanistan: Briten wollen Taliban an Macht beteiligen

Die britische Regierung fordert von Afghanistans Präsident Hamid Karsai einen Kurswechsel. Laut eines Memos soll die Taliban-Führung anerkannt und an der Macht beteiligt werden. Es gibt aber ein Ausschlusskriterium.

von Christoph Reuter, Kabul
In einer vertraulichen Botschaft an den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai hat die britische Regierung weit deutlicher und klarer als je zuvor eine Machtbeteiligung der Taliban gefordert. Laut dem Papier, das "Stern.de" vorliegt, sollen dabei nicht nur die "Fußsoldaten" und ihre lokalen Kommandeure amnestiert werden, wie früher schon gefordert, sondern auch die oberen Befehlshaber und "Schatten-Gouverneure", die die Taliban bereits für fast alle Provinzen aufgestellt haben. Darüber hinaus erkennt die britische Regierung die Existenz der sogenannten "Quetta Schura" an, den obersten Führungszirkel der Taliban - und fordert eine "reconciliation", eine Versöhnung und einen Friedensschluss mit der Taliban-Führung.
Dabei soll der afghanische Geheimdienst NDS den Taliban-Kommandeuren ein Ende der Kampfhandlungen wie gegenwärtig in Helmand anbieten, wenn die Taliban im Gegenzug die Waffen schweigen lassen. Einziges Ausschlusskriterium der Versöhnung seien Verbindungen zu al-Kaida. Allerdings hatte die Taliban-Führung in den vergangenen Monaten ohnehin begonnen, sich von dem Terrornetzwerk zu distanzieren.
Weitreichendes Vetorecht für Pakistan
Auch Pakistan soll in den Kurswechsel mit einbezogen werden: Bislang wurde versucht, Pakistan mit einer Mischung aus Zuckerbrot (Milliardenhilfe vor allem aus den USA) und Peitsche (Drohnenangriffe) davon abzuhalten, sich in Afghanistan einzumischen und die Taliban dort zu fördern. Laut des britischen Papiers soll Pakistan nun ein weitreichendes Vetorecht für afghanische Belange eingeräumt werden: Stabilität in Afghanistan werde sich nur erreichen lassen, "wenn Afghanistans Nachbarn die Gewissheit haben, dass Afghanistan sich nicht mit einem ihrer Feinde verbünden wird", heißt es. Damit dürfte Indien gemeint sein, Pakistans Erzfeind. Staatschef Karsai hat in den vergangenen Jahren damit begonnen, intensive Beziehungen zu Indien aufzubauen.
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Das Regierungspapier enthält zwar auch bereits bekannte Positionen, etwa die, die Taliban zu "schwächen" und zu "spalten" - doch das dürfte kaum noch funktionieren, wenn selbst deren Führung nun als Verhandlungspartner anerkannt wird. Der neue Ansatz ist auf einen Zeitraum von zwei Jahren angelegt, er sieht zudem die Bekämpfung von Korruption und Drogenhandel zur Wirtschaftsförderung vor. Für das Ziel, eine Verhandlungslösung mit der obersten Talibanführung zu erreichen, ist dagegen keine Frist genannt.

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  • stern.de, 09.11.2009
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