Und dann sind da noch die Drogenhändler und Schießereien im Viertel. Früher, da waren sie weit weg, jetzt scheinen sie immer näher zu kommen, manchmal sind sie nur ein Block entfernt. Das passt zur Kulisse der ganzen zugenagelten Häuser, die von Amerikas Epidemie erzählen. Der Epidemie der Zwangsvollstreckung.
Das Beunruhigendste an den Freemans aber ist, dass sie eine durchschnittliche amerikanische Familie sind. Keiner ist chronisch krank, weder der hagere Mark noch die rundliche Connie, seine Frau. Beide haben Arbeit, am Methodisten-Krankenhaus, er in der Warenannahme, sie ist technische Assistentin in der Anästhesie. Zusammen verdienen sie 70.000 Dollar, damit ist ihr Gehalt um ein Drittel höher als das Durchschnittseinkommen eines US-Haushalts.
Es gab eine Zeit, da hat man das Leben von Mark und Connie Freeman als "amerikanischen Traum" bezeichnet. Aus dem Traum ist längst eine unruhige Träumerei geworden. Denn das Leben der Freemans ist inzwischen sehr anstrengend. Jeden Monat muss Mark viel Geld bezahlen, um eine Maschine zu mieten, die seine Atemnot lindern soll. Deswegen leidet er auch an Schlafstörungen. "Wenn wir unsere Jobs verlieren, werden unsere Ersparnisse etwa drei Wochen reichen. Dann wäre die Schmerzgrenze erreicht", sagt Mark.
Er sitzt auf der Veranda, trinkt eine Flasche Miller Lite und schaut auf die Straße. "Wir arbeiten Tag und Nacht und versuchen, etwas fürs Alter zurückzulegen. Aber unser Polster sind immer nur ein, zwei Gehaltschecks, dann sitzen wir auf der Straße."