FTD.de » Politik » International » Monfrini - der Potentatenjäger

Merken   Drucken   01.02.2011, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Monfrini - der Potentatenjäger

Enrico Monfrini fahndet seit Jahren nach den geheimen Milliarden ausländischer Diktatoren. Nun darf er triumphieren. Von nun an kann das Blutgeld aus der Schweiz an die ausgebeuteten Länder zurückgezahlt werden.
© Bild: 2011 FTD/David Wagnieres
Enrico Monfrini fahndet seit Jahren nach den geheimen Milliarden ausländischer Diktatoren. Nun darf er triumphieren. Von nun an kann das Blutgeld aus der Schweiz an die ausgebeuteten Länder zurückgezahlt werden. von Tobias Bayer  Genf
Draußen scheint an diesem Januartag die Sonne, doch der Raum ist abgedunkelt. Wie eine Kammer für konspirative Treffen. Nur die Lampe auf dem schweren Schreibtisch verbreitet etwas Licht und lässt den kleinen Mann mit den grauen Haaren dahinter fast groß erscheinen. Gestatten, Enrico Monfrini , Anwalt, 66, Potentatenjäger. Auf der Suche nach den Blutmillionen ausländischer Diktatoren.
Links von ihm stehen afrikanische Masken, rechts chinesische Puppen. Monfrini liebt die Kunst, das Essen, das Leben. Wenn er fliegt, dann nur First Class. "Wenn man schon wie ein Hund arbeitet, sollte man nicht noch wie ein Hund fliegen", sagt er mit sonorer Stimme. Er lacht, plaudert, parliert über Banales. Dass er einen der gefährlichsten Jobs der Welt hat, merkt man ihm nicht an.
Jean Claude Duvalier herrschte von 1971 bis 1986 über Haiti   Jean Claude Duvalier herrschte von 1971 bis 1986 über Haiti
Seit mehr als zehn Jahren spürt Monfrini geheime Konten von Diktatoren auf, um das Geld, das sie ihren Ländern entzogen haben, an die gebeutelten Staaten zurück zu zahlen. Sani Abacha war der erste auf seiner Liste. Der Ex-General hatte sich 1993 in Nigeria an die Macht geputscht und das Land bis zu seinem Tod 1998 schamlos ausgebeutet. Monfrini spürte dem Geld nach, erst in der Schweiz, dann in ganz Europa. 1,3 Mrd. Dollar stellte er sicher und gab sie zurück.
Seitdem ist Monfrini auf der Jagd nach den veruntreuten Milliarden, die auf Schweizer Konten liegen. "Ich weiß inzwischen, wie man solche Fälle löst", sagt er lapidar. Zuletzt hat er für die Millionen gekämpft, die der haitianische Ex-Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier in die Schweiz geschafft hatte. Die Jagd ist längst Monfrinis Lebensaufgabe geworden. Heute feiert er einen Erfolg, der auch für sein Land eine Zäsur ist.
An diesem Dienstag tritt in der Schweiz das "Bundesgesetz über die Rückerstattung unrechtmäßig erworbener Vermögenswerte politisch exponierter Personen" in Kraft. Erstmals können nach klarer Systematik veruntreute Gelder konfisziert und zurückgezahlt werden. Es kann ein machtvolles Instrument werden, ein weltweites Vorbild im Kampf gegen Ausbeutung und Korruption. "Das Gesetz ist das erste seiner Art", sagt Valentin Zellweger, der Leiter der Direktion Völkerrecht im Berner Außenministerium. Er hat es mitentworfen. Es habe eine abschreckende Wirkung auf die Despoten in der Welt, sagt er. "Es dokumentiert den Willen der Schweizer Regierung, gegen Potentaten vorzugehen."
Jedes Jahr werden weltweit 20 bis 40 Mrd. Dollar veruntreut, schätzt die Weltbank. In den vergangenen Jahren sind davon gerade mal 4,5 Mrd. Dollar zurückgegeben worden, die Hälfte kam aus der Schweiz. Gerade erst hat das Land die Konten des gestürzten tunesischen Staatschefs Zine El Abidine Ben Ali und des abgewählten ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo eingefroren. Das neue Gesetz wird wohl auf diese Fälle angewendet werden. Ohne Monfrini wäre es nie so weit gekommen.

Teil 2: Alles begann mit einem mysteriösen Anruf

  • Aus der FTD vom 01.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich!

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote