Jean Claude Duvalier herrschte von 1971 bis 1986 über Haiti
Seit mehr als zehn Jahren spürt Monfrini geheime Konten von Diktatoren auf, um das Geld, das sie ihren Ländern entzogen haben, an die gebeutelten Staaten zurück zu zahlen. Sani Abacha war der erste auf seiner Liste. Der Ex-General hatte sich 1993 in Nigeria an die Macht geputscht und das Land bis zu seinem Tod 1998 schamlos ausgebeutet. Monfrini spürte dem Geld nach, erst in der Schweiz, dann in ganz Europa. 1,3 Mrd. Dollar stellte er sicher und gab sie zurück.
Seitdem ist Monfrini auf der Jagd nach den veruntreuten Milliarden, die auf Schweizer Konten liegen. "Ich weiß inzwischen, wie man solche Fälle löst", sagt er lapidar. Zuletzt hat er für die Millionen gekämpft, die der haitianische Ex-Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier in die Schweiz geschafft hatte. Die Jagd ist längst Monfrinis Lebensaufgabe geworden. Heute feiert er einen Erfolg, der auch für sein Land eine Zäsur ist.
An diesem Dienstag tritt in der Schweiz das "Bundesgesetz über die Rückerstattung unrechtmäßig erworbener Vermögenswerte politisch exponierter Personen" in Kraft. Erstmals können nach klarer Systematik veruntreute Gelder konfisziert und zurückgezahlt werden. Es kann ein machtvolles Instrument werden, ein weltweites Vorbild im Kampf gegen Ausbeutung und Korruption. "Das Gesetz ist das erste seiner Art", sagt Valentin Zellweger, der Leiter der Direktion Völkerrecht im Berner Außenministerium. Er hat es mitentworfen. Es habe eine abschreckende Wirkung auf die Despoten in der Welt, sagt er. "Es dokumentiert den Willen der Schweizer Regierung, gegen Potentaten vorzugehen."
Jedes Jahr werden weltweit 20 bis 40 Mrd. Dollar veruntreut, schätzt die Weltbank. In den vergangenen Jahren sind davon gerade mal 4,5 Mrd. Dollar zurückgegeben worden, die Hälfte kam aus der Schweiz. Gerade erst hat das Land die Konten des gestürzten tunesischen Staatschefs Zine El Abidine Ben Ali und des abgewählten ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo eingefroren. Das neue Gesetz wird wohl auf diese Fälle angewendet werden. Ohne Monfrini wäre es nie so weit gekommen.