Verärgert: der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva
Kritiker fürchten, dass Investoren das billige Geld der Fed weniger in heimische Unternehmen als im Ausland anlegen - vor allem in schnell wachsende Schwellenländer. "Der Rest der Welt braucht diese zusätzliche Liquidität nicht", schrieb Pimco-Chef Mohamed El-Erian in der Financial Times. "Schwellenländer wie Brasilien und China sind bereits einer Überhitzung nahe. Und die Eurozone und Japan können eine weitere Aufwertung ihrer Währungen schlecht gebrauchen."
Wegen der niedrigen Zinsen in den USA und anderen Industriestaaten steigen die Investitionen in Schwellenländern schon seit Monaten. Allein in den indischen Aktienmarkt investierten Fonds in diesem Jahr bereits mehr als 18 Mrd. Dollar. Neben der Inflation - in Indien liegt sie nahe zehn Prozent - steigt damit auch der Kurs vieler Schwellenländer-Währungen zum Dollar. So legte der brasilianische Real seit Anfang 2009 gegenüber dem Dollar um rund 35 Prozent zu. Das schmälert die Exportchancen. Der scheidende brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva kündigte am Mittwoch an, er werde auf dem G-20-Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer nächste Woche für einen fairen Wechselkurs "kämpfen".
Zugleich birgt der schwache Dollar auch Risiken für die USA selbst. Denn er steigert den Preis von Verbraucherprodukten, die überwiegend aus dem Ausland eingeführt werden, was die gebeutelten US-Privathaushalte weiter belasten könnte. "Schauen Sie sich doch um - was wird schon noch in den USA hergestellt?", zitierte die Nachrichtenagentur AP einen spöttischen Analysten. Damit stellt sich zugleich die Frage, ob allein ein schwacher Dollar der US-Exportwirtschaft wirklich auf die Beine helfen wird.
Am Donnerstag rutschte der Dollar-Index, der die Entwicklung des Greenback gegenüber einem Währungskorb abbildet, zeitweise um 0,8 Prozent auf ein Elfmonatstief. Der Euro kletterte auf 1,4223 Dollar.
Der Asia-Dollar-Index von Bloomberg und JP Morgan Chase, der die Entwicklung der zehn meistgehandelten Währungen der Region außer dem Yen abbildet, stieg auf bis zu 116,01 Punkte und damit den höchsten Stand seit April 2008.
Devisenstrategen von Barclays Capital erwarten allerdings, dass sich der Wechselkurs des Dollar zu anderen Währungen differenzieren wird. "Längerfristig wird sich die Abwertung des Dollar wahrscheinlich zu den relativ flexiblen Schwellenländern hin verschieben, während gegenüber Währungen wie dem Euro und dem Yen eine Umkehr möglich ist", schreiben sie.