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  28.10.2009, 19:08    

Anschläge in Afghanistan: Taliban greifen Uno-Mitarbeiter gezielt an

Gut eine Woche vor der Präsidenten-Stichwahl in Afghanistan demonstrierten militante Islamisten ihre Macht in dem zerrissenen Land. Beinahe hundert Menschen starben, ein Attentat hatte Uno-Mitarbeiter zum Ziel.
Bei zwei schweren Anschlägen in Peshawar und Kabul haben militante Islamisten am Mittwoch fast hundert Menschen getötet. Im pakistanischen Peshawar riss eine Autobombe auf einem belebten Markt 90 Menschen in den Tod, mehr als 160 wurden verletzt. Unter den Opfern sollen viele Frauen und Kinder sein. Erst kurz vor der Tat war US-Außenministerin Hillary Clinton  in der Hauptstadt Islamabad eingetroffen. Im Zentrum Kabuls griff unterdessen ein Selbstmordkommando der Taliban ein Gästehaus an und ermordete sechs ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon  sagte, die Vereinten Nationen ließen sich durch den Anschlag nicht einschüchtern.
Die Detonation in Peshawar verursachte schwere Zerstörungen im geschäftigen Viertel um den Peepal-Mandi-Straßenmarkt mit seinen engen Gassen und alten Holz- und Backsteinhäusern. "Mehrere Gebäude und eine Moschee sind schwer beschädigt worden, durch ein Gebäude frisst sich das Feuer", sagte ein Augenzeuge. Er könne drei Leichen unter den Trümmern liegen sehen. "Die Zahlen steigen. Wir haben mehr als 80 Tote, darunter Frauen und Kinder", sagte ein Arzt des größten Krankenhauses der Stadt.
Clintons Besuch in Pakistan: Von einem Attentat begleitet   Clintons Besuch in Pakistan: Von einem Attentat begleitet
Peshawar hatte jahrelang als Basis des Mudschahedin-Krieges gegen die sowjetische Besatzungsmacht in Afghanistan gedient, der von den USA und Pakistan gefördert wurde. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand, der Verdacht fiel jedoch auf die Taliban. Die Regierung werde sich in ihrer Entschlossenheit im Kampf gegen die militanten Islamisten auch durch die neue Attacke nicht erschüttern lassen, betonte der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi.
Nach dem Tod der Uno-Mitarbeiter kündigte der Uno-Sondergesandte Kai Eide an, die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Er sprach von einem "sehr dunklen Tag für die Uno in Afghanistan". Der Angriff sei nicht nur gegen die Vereinten Nationen, sondern gegen das afghanische Volk gerichtet gewesen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Vereinten Nationen seien neutraler Sachwalter der Interessen der gesamten Staatengemeinschaft. "Ein Anschlag auf die Vereinten Nationen ist somit ein Angriff auf uns alle.". Neben der Bundeskanzlerin verurteilte auch der neue Außenminister Guido Westerwelle  den schwersten Anschlag seit 2007, als bei einem Angriff auf einer Prozession zur Rückkehr von Ex-Ministerpräsidentin Benazir Bhutto etwa 140 Menschen starben.
Das US-Präsidialamt erklärte, der Anschlag in Peshawar zeige, welche Gefahr von den Extremisten ausgehe. Sie würden allerdings weder in Pakistan noch in Afghanistan ihre Ziele erreichen. "Die USA stehen Schulter an Schulter mit dem dem pakistanischen Volk in seinem Kampf für Frieden und Sicherheit", betonte auch Clinton. Sie war nach Islamabad gereist, um einen Neubeginn in den Beziehungen zu Pakistan einzuläuten. Sie wolle sich künftig stärker um die Bedürfnisse der Menschen auf der Straße kümmern, dazu zählten eine größere wirtschaftliche Unterstützung und der Aufbau demokratischer Institutionen, sagte Clinton.
Schon zuvor hatte die US-Regierung angekündigt, ihre Hilfen für das instabile Land auf rund 7 Mrd. $ über die nächsten fünf Jahre zu erhöhen. Im Gegenzug muss Pakistan gegen militante Gruppen vorgehen, die Kontrolle der zivilen Regierung über das Militär sicherstellen und bei der Abrüstung von Atomwaffen kooperieren. Die pakistanische Regierung gerät im Kampf gegen die Islamisten jedoch zunehmend unter Druck, die anti-amerikanische Stimmung im Land wächst. Seit die pakistanische Armee in Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan eine Offensive gegen die Hochburgen der Taliban gestartet hat, ist das Land aus Furcht vor Vergeltungsschlägen im Alarmzustand.

Teil 2: Schwarzer Rauch über Kabul

  • FTD.de, 28.10.2009
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