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Merken   Drucken   28.03.2011, 19:05 Schriftgröße: AAA

Atomkatastrophe in Japan: Hochgiftiges Plutonium schürt Angst vor Super-GAU

Die Lage in und um Fukushima wird zunehmend kritischer. Aus Brennstäben der Anlage gelangt das äußerst gefährliche Schwermetall in den Boden rund um das Atomkraftwerk. Zugleich kommen immer neue Details über das schlampige Vorgehen des AKW-Betreibers Tepco heraus.
© Bild: 2011 Yomiuri Shimbun/Takuya Yoshino/AP/dapd)
Die Lage in und um Fukushima wird zunehmend kritischer. Aus Brennstäben der Anlage gelangt das äußerst gefährliche Schwermetall in den Boden rund um das Atomkraftwerk. Zugleich kommen immer neue Details über das schlampige Vorgehen des AKW-Betreibers Tepco heraus.
Im Boden rund um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima sind Spuren von hochgiftigem Plutonium entdeckt worden. Das äußerst gefährliche Schwermetall wurde nach Angaben des AKW-Betreibers Tepco an insgesamt fünf Stellen nachgewiesen. Der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, die sich auf das Unternehmen berief, stammt das Plutonium aus Brennstäben der Anlage, die bei dem schweren Erdbeben am 11. März und dem anschließenden Tsunami schwerbeschädigt wurde.
In Reaktor 2 soll es zur Kernschmelze gekommen sein   In Reaktor 2 soll es zur Kernschmelze gekommen sein
Ein Tepco-Sprecher nannte die festgestellte Menge gering und behauptete, von ihr gehe keine Gefahr für die öffentlichte Gesundheit aus. Aus welchem Block das Material stammt, wurde noch ermittelt. Plutonium befindet sich in hoher Menge in den Brennstäben des Reaktors 3 und in niedrigerer Konzentration in den verbrauchten Brennelementen in den dafür vorgesehenen Aufbewahrungsbecken aller sechs Reaktoren. Die Zahl der verstrahlten Arbeiter an der Atomruine erhöhte sich um zwei auf 19.
Plutonium verliert auch nach Tausenden von Jahren nichts von seiner Gefährlichkeit. Gerät der Stoff in den Körper, ist das Krebsrisiko sehr hoch. Dringt das Schwermetall in Wunden ein, verbindet es sich mit Eiweißen des Blutplasmas und lagert sich in Leber und Knochenmark ab. Das kann zu Leukämie führen.
Die Lage an dem havarierten AKW ist somit noch gefährlicher geworden für die Techniker und ihre Helfer, die seit Tagen versuchen, den drohenden Super-GAU zu verhindern. Die Regierung in Tokio räumte ein, dass im Reaktor 2 in den vergangenen zwei Wochen vermutlich eine Kernschmelze eingesetzt hatte. Sie glaubt jedoch, dass der Prozess gestoppt sei. Die Regierung appellierte an die Anwohner, nicht in ihre Häuser im 20-Kilometer-Evakuierungsradius um das AKW zurückzukehren. Doch vor allem ältere Menschen ignorieren die Warnungen, weil sie sich um ihre Häuser und ihr Eigentum sorgen und das Leben in Notunterkünften satt haben.
Vergleichende Bilder Die Tsunami-Katastrophe aus dem All gesehen
Arbeiter bemühten sich unter Gefahr für Leib und Leben darum, hunderte Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Atomkraftwerk abzupumpen. Das Wasser muss laut der japanischen Atomsicherheitsbehörde entfernt und sicher gelagert werden, bevor die Arbeiten am Kühlsystem fortgesetzt werden können. Bis zu 600 Menschen sind zurzeit in Schichten in Fukushima im Einsatz. Tepco teilte mit, im Wasser in Block 2 seien Strahlenwerte gemessen worden, die rund 100.000 Mal höher seien als normal. Als Quellen wurden beschädigte Brennstäbe vermutet. Der Druck in den Reaktoren sei aber stabil, was auf eine nur partielle Schmelze des Reaktorkerns hinweise, sagte ein Sprecher des Unternehmens.
Angst vor Lebensmitteln aus Japan ist...

 

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Bei ihren Rechenmodellen zur Erdbeben- und Tsunamisicherheit des havarierten Atomkraftwerks haben die Betreiber wissenschaftliche Erkenntnisse außer acht gelassen. Das berichtete die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press unter Berufung auf Aufzeichnungen und Aussagen von Wissenschaftlern, dem Unternehmen und der japanischen Atomsicherheitsbehörde. Demnach kalkulierte Tepco eine derart gewaltige Naturkatastrophe, wie sie am 11. März passierte, nicht bei Schutzmaßnahmen ein. So nahm der Konzern als schlimmstmöglichen Fall an, dass die Reaktoren nicht trocken bleiben, aber nicht, dass sie von einer Wasserwand regelrecht überrollt werden könnten. Das Unternehmen argumentierte, dass niemand mit einem solchen Tsunami habe rechnen können. Doch es gibt reichlich Beweise für derartige Monsterwellen an der japanischen Nordostküste. Laut Associated Press ließ Tepco wichtige GPS-Daten unberücksichtigt, die zeigten, dass sich die zwei am Japangraben aneinander stoßenden tektonischen Platten erheblich "verhakt" und sich auf hunderte Kilometer Länge erhöhte Spannung aufgebaut hatte. Entsprechende Erkenntnisse seien bereits vor zehn Jahren in Fachzeitschriften veröffentlicht worden. Auch die Wasserstoffexplosionen hätten sich womöglich vermeiden lassen, wenn Tepco die geeignete Technik erworben hätte. Der Betreiber des Katastrophen-AKW habe von westlichen Unternehmen vor Jahren ein sogenanntes Wasserstoff-Vernichtungssystem angeboten bekommen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Doch habe der Konzern auf die Investition verzichtet.

Teil 2: Japaner kehren trotz Warnungen in ihre Heime zurück

  • FTD.de, 28.03.2011
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