Seit Anfang September beliefern chinesische Staatsunternehmen den Iran in großem Umfang mit Benzin. Nach Informationen asiatischer Rohstoffhändler liegt der Anteil inzwischen bei rund einem Drittel der gesamten Benzinimporte der Islamischen Republik. Damit unterläuft China Drohungen des Westens, den Iran mit einem Embargo für Treibstofflieferungen zu belegen, falls dessen Regierung keine deutlichen Zugeständnisse in den Verhandlungen über ihr Atomprogramm macht.
Mehrere internationale Unternehmen wie BP oder der indische Reliance-Konzern hatten in den vergangenen Monaten ihre Treibstoffverkäufe an den Iran auf politischen Druck hin eingestellt. Diese Lücke sei nun durch die chinesischen Lieferanten gefüllt worden, berichten Händler, die mit den Geschäften vertraut sind.
Am Rande der Uno-Vollversammlung in New York wollen Vertreter unter anderem der USA und Europas heute diskutieren, welche Möglichkeiten noch bestehen, den Iran vom Aufbau seines Atomprogramms abzubringen. Westliche Regierungen verdächtigen Teheran, Atomwaffen entwickeln zu wollen. Irans Führung streitet dies ab und pocht auf das Recht des Landes auf friedliche Nutzung der Kernenergie.
Obwohl Iran einer der größten Ölproduzenten der Welt ist, besitzt das Land zu wenig Raffineriekapazitäten und muss etwa 40 Prozent seines Treibstoffbedarfs importieren. Die USA haben daher ein mögliches Benzinembargo als Druckmittel ausgemacht, um auf Teheran in den Atomverhandlungen einzuwirken.
Den Händlern zufolge wickeln die chinesischen Staatsfirmen die Öllieferungen mit dem Iran über Zwischenhändler ab. Diese Geschäfte sind derzeit nicht verboten, da es bisher keine Sicherheitsratsbeschlüsse für eine Ausweitung bestehender Exportbeschränkungen auf Treibstoffe gibt. Trotz politischen Drucks beliefern auch einige europäische Firmen den Iran weiter mit Benzin. In diesem Monat werden den Händlerangaben zufolge rund ein Drittel der etwa 120.000 Fass, die Iran täglich einführt, aus China geliefert. Die chinesischen Ölkonzerne Sinopec und CNPC hatten kürzlich auch einen Milliardendeal mit dem Iran zum Ausbau von dessen Ölförderung abgeschlossen.