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Merken   Drucken   26.01.2012, 09:11 Schriftgröße: AAA

Davos 2012: Klaus Kleinfeld - "Ich glaube nicht an den Begriff 'Elite'"

Der Vorstandschef von Alcoa glaubt an Verantwortung, nicht an Hierarchien. Und meint im FTD-Interview: Bei Bewegungen wie Occupy sind keine Lösungen zu finden.
© Bild: 2010 Bloomberg
Interview Der Vorstandschef von Alcoa glaubt an Verantwortung, nicht an Hierarchien. Und meint im FTD-Interview: Bei Bewegungen wie Occupy sind keine Lösungen zu finden. von Sven Oliver Clausen 
Haben die Eliten versagt, indem sie die Gefahren des Finanzkapitalismus nicht rechtzeitig adressierten und die autoritären Regime gewähren ließen?
Klaus Kleinfeld   Klaus Kleinfeld
Klaus Kleinfeld Zunächst glaube ich nicht an den Begriff von Eliten oder Nicht-Eliten. Wir alle tragen schlichtweg Verantwortung für unsere Mitmenschen, der eine weniger, der andere eben mehr. Das macht niemanden zur Elite, sondern zu Verantwortungsträgern. Das gilt für Unternehmer wie für Manager, Politiker, Medien et cetera. Und wer für mehr Menschen Verantwortung trägt, der muss sich selbstverständlich fragen lassen, ob man die Gefahren zu spät gesehen hat.
Und?
Kleinfeld Ich glaube nicht, dass alle Dinge, die wir heute wissen, zu spät gesehen wurden. Die Situation in den nordafrikanischen Staaten und in einzelnen Staaten des Nahen Ostens spielte schon lange eine Rolle, und viele, auch unser Unternehmen, haben versucht, die Dinge zum Besseren zu bewegen, teilweise übrigens durchaus mit Erfolg. Die Diktaturen in Nordafrika waren auch eine Spätfolge des Ost-West-Konflikts. Der ist beendet, sicher auch aus wirtschaftlichen Gründen. Insofern wurde dort etwas nachgeholt, was woanders schon weit früher geschehen ist. Und viele in der Wirtschaft haben lange vor einem Kollaps der Finanzindustrie gewarnt. In der damaligen Zeit waren aber offensichtlich andere Dinge wichtiger und vor allem stärker. Wir sollten daraus lernen und heute weltweit an einem Strang ziehen, um ein an und für sich gutes und zutiefst menschliches System, unsere Demokratie und die Marktwirtschaft, vor Auswüchsen zu schützen.
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An einem Strang zu ziehen, ist immer eine gute Idee. Graswurzelbewegungen wie Occupy erwecken den Eindruck, dass sie das für junge Leute besser organisieren als die alten Eliten. Verlieren die ihre Deutungs- und Gestaltungshoheit?
Kleinfeld Nochmals, ich glaube an Verantwortung, nicht Hierarchie. Und deshalb glaube ich auch nicht an Dinge wie Deutungshoheit. Das ist kein Begriff, der in einer demokratischen Gesellschaft Platz haben sollte. Der Kern der demokratischen Gesellschaft ist der Dialog, auf allen Ebenen und vor allem Ebenen-übergreifend. Und so sehr ich Verständnis dafür habe, dass Medien Bewegungen wie Occupy oder andere - schon wegen der besseren Schlagzeilen - charmant finden, so ist doch klar, dass hier keine Lösungen zu finden sind. Die entstehen dann, wenn alle Träger einer Gesellschaft den intensiven Austausch pflegen - mit dem Ziel einer in demokratischer Weise entstandenen Einigung. Denn eins ist doch auch klar, eine Krise kann man vereint besser bewältigen als gespalten. Bewegungen wie Occupy et cetera sind wahrscheinlich eine Stimme des Diskurses, die aus sehr verständlicher Frustration heraus entstanden ist. Das ist legitim, und das braucht die Demokratie auch. Aber sie können und sie dürfen vor allem Demokratie und die darin stattfindende offene Auseinandersetzung nicht ersetzen und sollten grundsätzlich von dem Ziel getragen sein, gemeinsam einen besseren Weg zu finden.
Sind nach Ihrer Meinung die Lehren aus der Finanzkrise getroffen, die Antworten auf die Fragen gefunden?

Teil 2: "Das Vertrauen in Demokratie und Marktwirtschaft wankt"

  • FTD.de, 26.01.2012
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