Chinas Regierungschef Wen Jiabao hat den Druck der Europäer und der Amerikaner, die chinesische Währung aufzuwerten, entschieden zurückgewiesen. Einerseits einen stärkeren Yuan zu fordern und andererseits zu protektionistischen Mitteln zu greifen, sei "ungerecht", sagte Wen Jiabao am Montag auf dem EU-China-Gipfel in der ostchinesischen Stadt Nanjing. Eine Aufwertung würde Chinas wirtschaftliche Entwicklung begrenzen.
Sein Land werde weiter an einer Verbesserung der Wechselkursmechanismen arbeiten, aber den Yuan auf einem ausgeglichenen Niveau "stabil halten". Mit Handelsspannungen müsse angemessen umgegangen werden, sagte Wen Jiabao. Protektionismus müsse abgelehnt werden. Auch sollten die Europäer ihre Beschränkungen für den Export von Hochtechnologie nach China aufheben, forderte der Ministerpräsident.
Zuvor war Wen Jiabao mit dem amtierenden EU-Ratspräsidenten, Schwedens Regierungschef Fredrik Reinfeldt, und dem Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, zum 12. EU-China-Gipfel zusammengetroffen.
China hat seine Währung seit Mitte 2008 praktisch an den US-Dollar gekoppelt. Aus europäischer Sicht ist die chinesische Währung daher unterbewertet, was EU-Exporte nach China verteuert und chinesische Ausfuhren künstlich verbilligt. Seit Anfang des Jahres hat der Euro um rund 20 Prozent an Wert gegenüber dem Yuan gewonnen. Europa ist der wichtigste Handelspartner Chinas, während die Volksrepublik der zweitwichtigste europäische Handelspartner ist.
EU-Zentralbankchef Trichet sagte, eine Aufwertung in China wäre "in jeder Hinsicht gut". Ein stärkerer Yuan würde helfen, Handelsungleichgewichte in der Weltwirtschaft zu beseitigen. Es sei auch im Interesse der chinesischen Wirtschaft. Doch schon US-Präsident Barack Obama hatte Peking bei seinem jüngsten Besuch nicht überzeugen können, den Yuan aufzuwerten. "Sie sagen uns genau das gleiche, was sie Obama gesagt haben", sagte Barroso.
Eine Aufwertung würde vor allem die chinesischen Exporteure treffen, die ohnehin durch den starken Rückgang der chinesischen Ausfuhren in der Wirtschaftskrise leiden. In Europa wird hingegen beklagt, dass der schwache Dollar einerseits und der unflexible Wechselkurs in China andererseits den europäischen Exporteuren in der globalen Absatzkrise noch zusätzliche Belastungen aufbürdet. Dadurch könne die wirtschaftliche Erholung der Eurozone gefährdet werden.