Vor vier Wochen funktionierte der Reflex wieder. Wenn Deutsche im Ausland unangenehm werden, tauchen schnell Hakenkreuze und Hitlerbilder auf. So auch in Aserbaidschan, wo die Zeitung der Regierungspartei Yeni Azerbaycan die Collage eines Quartetts veröffentlichte: Neben einem aserbaidschanischen Oppositionellen standen dort der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, der deutsche Botschafter in Baku, Herbert Quelle, und eben Adolf Hitler.
Was die Regierung des autoritär herrschenden Präsidenten Ilham Aliyev so in Rage gebracht hat, ist der ständige Hinweis der Deutschen auf die verheerende Menschenrechtslage im Land - ausgerechnet zu einer Zeit, in der man den Eurovision Song Contest (ESC) als Prestigeprojekt zur Eigenwerbung nutzen wollte.
Löning hatte bereits im vergangenen Jahr im ESC eine gute Gelegenheit gesehen, um auf politische Gefangene, Foltervorwürfe, Unterdrückung der Opposition und einer freien Presse sowie die staatliche Willkür gegen Hausbesitzer hinzuweisen, deren Gebäude mit oder ohne behördliche Anordnung einfach abgerissen werden, um Neubauten Platz zu machen.
Löning reiste ans Kaspische Meer, besuchte Gefangene, gab Pressekonferenzen und wies darauf hin, dass Aserbaidschan als Mitglied des Europarats weit davon entfernt sei, die verlangten Standards einzuhalten. Botschafter Quelle unterstützt die Menschenrechtler vor Ort. Er gehörte etwa zu den wenigen Besuchern, die sich am vergangenen Wochenende zum Konzert Sing for Democracy einfanden, das als Protest gegen Regierung und ESC gemeint war.
Für die in solchen Dingen erfahrene Regierung in Baku ist klar, dass es sich bei alldem nur um eine staatlich gesteuerte Kampagne handeln kann. Die Botschaft in Berlin warf der Bundesregierung darum in einer Presseerklärung vor, eine "systematische Kampagne gegen Aserbaidschan" zu führen und dabei mit "Verleumdungen und Täuschungen" zu arbeiten, um dem Image des Landes zu schaden.