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Merken   Drucken   22.03.2011, 12:46 Schriftgröße: AAA

Finanzressourcen in Libyen: Gaddafi hockt auf 150 Tonnen Gold

Beständig müht sich der Westen, die Finanzströme des libyschen Machthabers auszutrocknen. Doch dem Despoten von Tripolis kann das ziemlich egal sein. Er ist im Besitz eines milliardenschweren Golddepots. von Fabian Löhe, Berlin
Internationale Sanktionen gegen Libyen könnten womöglich zum Teil verpuffen: Machthaber Muammar al-Gaddafi wacht über einen gewaltigen Schatz aus Gold . Laut Financial Times hält die libysche Zentralbank, die unter Gaddafis Kontrolle ist, etwa 150 Tonnen des Edelmetalls. Sie haben einen derzeitigen Marktwert von circa 6,5 Mrd. Dollar: Genug Geld, um eine Privatarmee für Monate - wenn nicht Jahre - zu finanzieren.
Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi hat viel Gold   Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi hat viel Gold
Das riesige Golddepot lässt befürchten, dass Gaddafi noch immer handlungsfähig ist, selbst wenn die Sanktionen des Westens eigentlich seinen Geldstrom austrocknen sollen. Zudem verfügt der Diktator offenbar auch über immense Bargeldreserven, die er aus dem Ölverkauf in der Vergangenheit von den offiziellen Kanälen abgezweigt hat. So hatte die "New York Times" Anfang März unter Verweis auf Sicherheitskreise berichtet, der Diktator verfüge über viele Milliarden an Bargeldreserven. Demnach soll er innerhalb seines Landes Zugriff auf das Geld haben, um so beispielsweise Söldner bezahlen zu können.
Zwar wird wahrscheinlich keine internationale Bank oder Handelshaus direkt Gold aus dem Besitz Gaddafis kaufen, das eine Verbindung zu Libyen aufweist. "Wenn ein Land wie Libyen sein Gold flüssig machen will, würde es das wohl in Form eines Tausches tun - egal ob gegen Waffen, Essen oder Bares", sagte Walter de Wet von der Standard Bank der FT.
Krieg in Libyen Angriff des Westens gegen Gaddafi
Experten gehen davon aus, dass Libyen seine Barren in Tripolis aufbewahrt und nicht wie viele Zentralbanken, die ihre Reserven in Tresoren in London, New York oder Schweiz verwahren. Das Gold könnte aber bereits zu anderen Orten weitertransportiert worden sein. In Frage kämen etwa sie südliche Stadt Sebha. Sie gilt als sehr loyal gegenüber Gaddafi und ist nahe zu Tschad und Niger gelegen.
Die Grenzen zu diesen beiden Ländern sind schwer zu kontrollieren, so dass Gaddafi sein Gold auf diesem Weg außer Landes schaffen könnte. Sobald das Edelmetall dort ist, könnte es gegen Geld getauscht werden. Dieses würde dann zur Libyschen Auslandsbank transferiert - die zu Gaddafis Zentralbank gehört.
Wie leicht gestürzten Despoten die Flucht mit Goldbarren gelingt, zeigt ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Leila Trabelsi, die Frau von Tunesiens Ex-Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali, machte sich nach dem Umsturz mit Beständen der Zentralbank aus dem Staub. Sie nahm 1,5 Tonnen mit.
Die internationale Gemeinschaft will Gaddafi auch künftig vor allem mit einer Reihe Sanktionen finanziell treffen. Sie umfassen vor allem das Einfrieren seiner Konten, um ihn dadurch von seinen Finanzströmen abzuschneiden.
Erst am Montag hatte die EU die Sanktionen gegen Libyen ausgeweitet. Die Außenminister der 27 EU-Staaten beschlossen in Brüssel, neun Firmen - darunter drei führende Geschäftsbanken - auf eine Liste von Unternehmen zu setzen, deren Konten in der EU eingefroren werden.
Deutschland hofft zudem darauf, dass die EU noch in dieser Woche ein vollständiges Ölembargo gegen Libyen beschließt. "Es besteht Handlungsbedarf über die beschlossenen Sanktionen hinaus", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Spätestens beim EU-Gipfel an diesem Donnerstag, möglichst aber noch vorher, solle ein solches Handelsstopp beschlossen werden.

Teil 2: Wie reich ist Gaddafi eigentlich?

  • FTD.de, 22.03.2011
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