Jeremy Grantham ist Mitgründer der Vermögensverwaltung Grantham Mayo Van Otterloo (GMO).
Die USA erleben die schwerste Dürre seit einem halben Jahrhundert. Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass wir mitten in einer globalen Lebensmittelkrise stecken. Nach einer kurzen Unterbrechung sind die Preise für Mais und Soja in den vergangenen Monaten auf Rekordhochs geklettert. Meiner Meinung nach zeigt dies, dass wir eine Weltbevölkerung, die bis 2050 Prognosen zufolge zehn Milliarden erreichen soll, nicht dauerhaft ernähren können. Sind wir Cowboy-Kapitalisten mit unserem "Wachstum um jeden Preis" dabei, mit Vollgas in die Katastrophe zu steuern?
Es gibt drei Gründe für den Anstieg der Lebensmittelpreise. Erstens verzehrt die Nachfrage der wachsenden Mittelschicht in den Entwicklungsländern nach Fleisch (speziell in China) den Mais und das Soja - für die Produktion von einem Pfund Rindfleisch sind 30 Pfund Weizen nötig und zwölf Pfund Soja für ein Pfund Schweinefleisch. Chinas Sojanachfrage legt pro Jahr um zehn Prozent zu und hat die Landwirtschaft der westlichen Hemisphäre verändert. Dort wird nun mehr Soja angebaut als Weizen. Zweitens wächst die Weltbevölkerung weiter rasch. Drittens ist das Klima ungünstiger geworden; die Zahl der schweren Dürren, Überflutungen und Hitzewellen ist deutlich angestiegen.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird die Welt die Lebensmittelproduktion im Verlauf der nächsten vier Jahrzehnte um 60 Prozent steigern können. Auch wenn die Forscher sich nicht einig sind, lässt die Fachliteratur den Schluss zu, dass die Steigerung bis 2050 mindestens 70 Prozent betragen muss. Darüber hinaus ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Uno-Prognose eintreffen wird, wenn man die lange Liste von Problemen in der Landwirtschaft bedenkt.
Nur einige Beispiele: Die Welt reduziert beständig ihre Vorräte an abbaubaren Düngern wie Kalisalz und Phosphat; chemieresistente Bakterien und Krankheitserreger sind auf dem Vormarsch; die Investitionskosten der Landwirtschaft, etwa für Öl und Dünger, dürften steigen. Die Produktivität pro Hektar Agrarland wächst langsamer, die Grenzproduktivität von Dünger ist in Industrienationen gen null gesunken. Unterdessen hemmen die langsam steigenden Temperaturen die Produktion. Sieht man sich das Wetter dieses Jahr an, könnten frühere Schätzungen, was die negativen Folgen von Dürren und Überflutungen anbelangt, deutlich zu niedrig angesetzt gewesen sein.
Unsere Lebensmittel- und Ressourcenprobleme wären keine, wenn wir der Homo oeconomicus der Wirtschaftstheorie wären - gut informiert, rational und unbestechlich. Die meisten Zukunftsprognosen basieren auf dieser Annahme. Die Realität sieht anders aus. Wir ziehen gute Nachrichten schlechten vor. Wir sind viel kurzsichtiger, als wir glauben, und allzu leicht korrumpierbar. Wahrscheinlich wird die Welt zu langsam reagieren, wenn es darum geht, Ressourcen zu schonen, Agrartechnologie zu verbessern und Fleischkonsum und Verschwendung einzudämmen.
Letztlich könnten die Marktpreise eine Veränderung des Verhaltens bewirken, aber zunächst werden höhere Preise den reichen Ländern eine Botschaft schicken, die noch zu schwach ist, als dass sie diese zum Handeln bewegen. Gleichzeitig aber drängt ein Preisanstieg die ärmsten Länder vom Markt. Die derzeit bei uns herrschende Gleichgültigkeit zeigt sich an folgender Rechnung: Eine Tankfüllung Maisethanol für einen Geländewagen verbraucht die Kalorienmenge, von der ein ägyptischer Bauer ein ganzes Jahr leben könnte.
Offenbar ist Chinas Regierung die einzige, die die potenziellen Folgen von Ressourcen- und Lebensmittelknappheit einzuschätzen weiß. Die USA dagegen scheinen in ihrer Agrarfestung in selbstgefälliger Isolierung vor sich hin zu leben.
Auf Pro-Kopf-Basis verfügt Nordamerika über siebenmal so viel Wasser und zehnmal so viel landwirtschaftlich nutzbares Land wie China (plus reichlich Dünger und Kohlenwasserstoffe). Nordamerika fühlt sich immun und wird sich nur langsam bewegen. Es wird jedoch nicht lange dauern, bis Chinas Sorgen und Chinas wachsende Macht die USA zwingen werden, das zentrale Problem der Welt anzugehen. Auch wenn es wahrscheinlich ein frommer Wunsch bleibt: Die diesjährige Dürre sollte als Warnung verstanden werden.
hi elli, if you are right, we can also have 100 billion of people on this planet earth and nothing happens to climate.....this gives us hope !
But now a simple question: What happens, when you have a 100 liters aquarium, which is good for max. 100 fishes (1 fish per liter) and you put in 1000 fishes ? And now compare this 100 liters- "aquarium" as a model to the biosphere of planet earth, which is also limited......