Der Gipfel der 20 führenden Volkswirtschaften am Donnerstag wird die internationale Zusammenarbeit auf die Probe stellen - wieder einmal. Statt um Kooperation dreht die Rhetorik sich derzeit um Währungskriege. Die quantitative Lockerung der US-Notenbank Fed ist heftig umstritten. Deshalb ist die Frage vor dem G20-Gipfel: Welchen Zweck verfolgt die Zusammenarbeit?
Als die G7 in den 80er-Jahren mit wirtschaftlicher Koordinierung experimentierten, konzentrierten sie sich auf die Wechselkurse. Doch die politischen Beweggründe gingen tiefer. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan und sein Finanzminister James Baker wollten dem zunehmend protektionistischen Denken des US-Kongresses entgegentreten - ein Denken, das dem heutigen ähnelt. Daher kombinierten sie die Währungskoordination mit der Schaffung der Welthandelsorganisation (WTO). Internationale Führung ging Hand in Hand mit innenpolitischen Maßnahmen für mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Nach den umwälzenden Veränderungen 1989 nahm die Geschichte eine neue Richtung, und über die Erfahrungen der 80er-Jahre wird immer noch diskutiert. Doch dieser "gebündelte Ansatz" war durch die Kombination aus wachstumsfördernden Reformen, offenem Handel und Wechselkurskoordination bedeutend.
Wie könnte ein solcher Ansatz heute aussehen? Erstens sollte sich eine Gruppe der G20-Länder auf parallele Strukturreformprogramme einigen. Dabei sollte es nicht nur darum gehen, die Nachfrage wieder auszugleichen, sondern auch das Wachstum anzukurbeln. Ein Beispiel: Chinas nächster Fünfjahresplan müsste das Augenmerk von Exportindustrien auf Unternehmensgründungen im Inland und den Dienstleistungssektor verlagern. Er sollte zudem mehr soziale Dienstleistungen bereitstellen und die Finanzierung von staatlichen Großkonzernen hin zu Unternehmen verschieben, die Produktivität und Binnennachfrage fördern.
Teil 2: Auf Währungsintervention verzichten