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Merken   Drucken   08.01.2012, 11:46 Schriftgröße: AAA

Geldpolitik: Heiner Flassbeck - Direkte Staatshilfe macht's billiger

Kommentar Die EZB gibt Banken großzügig Geld, mit dem die dann Staatsanleihen kaufen sollen. Den Umweg könnte man sich sparen - der Steuerzahler wäre dankbar von Heiner Flassbeck
Heiner Flassbeck ist Chefvolkswirt bei der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung (Unctad).

Dieser Tage ist zu beobachten, wie Politiker sich nicht nur in die Tasche lügen, sondern auch noch in den Fuß schießen können. Bekanntlich ist die Bundesregierung strikt gegen einen direkten Ankauf von Staatspapieren durch die Europäische Zentralbank (EZB). Sie fürchtet, die auf diese Weise finanzierten Länder könnten in alte Gewohnheiten verfallen und einfach weiter Schulden machen. Dagegen setzt sie auf die "Disziplin der Märkte", indem sie versucht, mit hohen Zinsen den Druck auf die südeuropäischen Regierungen aufrechtzuerhalten.
Heiner Flassbeck   Heiner Flassbeck
Doch es ist höchste Zeit, sich von einigen deutschen Lieblingsideologien zu verabschieden. Der naive Monetarismus, den viele gegen jede Evidenz und Logik immer noch pflegen, steht pragmatischer Geldpolitik derart im Weg, dass der Euro vollends aus dem Gleichgewicht geraten könnte.
Die EZB hat vor Weihnachten den Banken in einem Ausmaß und zu Konditionen Geld geliehen, die alles Bisherige in den Schatten stellen. Fast 500 Mrd. Euro verleiht sie für drei Jahre. Während sie sonst eher im Tages- oder Wochenrhythmus Geld gegen die Hereinnahme von Schuldpapieren vergibt, stellt sie das Geld den Banken für diesen langen Zeitraum zum jeweils geltenden Zentralbankzins zur Verfügung. Also derzeit zu einem Prozent. Das hat mit kurzfristiger Liquiditätsversorgung nichts mehr zu tun. Dagegen hat in Deutschland aber niemand etwas einzuwenden.
Sonderbare Kräfte am Werk
Was aber finanzieren die Banken mit dem Geld? So genau weiß das keiner, aber vergangene Woche sind überraschend die Zinsen für italienische und spanische Staatsschuldtitel, also Bonds, im Laufzeitbereich von zwei bis fünf Jahren stark gefallen. Die Nachfrage nach diesen Titeln war enorm. Da die unbefriedigenden Gipfelbeschlüsse vom 8. Dezember zu dem Zeitpunkt längst vom Markt verarbeitet waren, müssen wohl andere Kräfte am Werk gewesen sein. In einer solchen Situation sich selbst Mut zu machen und anzunehmen, "die Banken werden damit Unternehmen finanzieren", wie vom Präsidenten der EZB zu hören, ist zwar verständlich, aber keine ernst zu nehmende Analyse.

Teil 2: "Disziplin der Märkte"

  • FTD.de, 08.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 08.01.2012 17:33:22 Uhr   joachim rettig: ...direkte Staatshilfe macht es billger

    Dies ist wohl jedem schon in den Sinn gekommen, warum unseren Finanzpolitikern nicht ?

    Warum regt sich die Presse nicht darüber mehr auf.

    Noch einen Schritt weiter gedacht , hätte die EZB bei direkter Vergabe dieser unsagbar hohen Summe zu Spottkonditionen auch mehr Druck vor der Vergabe an die Südländer zur Einhaltung zweckgerichteter Entschuldungspolitik in der Hand gehabt .
    Nach dem Motto : es gibt nur Billigkonditionen unter Umgehung des leistunglosen Zinsgewinns der Banken, wenn Ihr Eure Vorgaben zur Entschuldung auch kontrollierbar einhaltet.

    Hier liegt offenbar sträfliche Betriebsblindheit vor oder die Macht der internationalen Finanzlobby ist wahrscheinlich schon so groß, daß an eine Umgehung der Banken keiner auch nur zu denken wagt.

  • 08.01.2012 13:18:13 Uhr   Sven Tiedemann: Es geht noch direkter...
  • 08.01.2012 12:47:01 Uhr   vriegel: müßige Diskussion
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