Beim Klimaschutz-Gipfel geht es nur vordergründig ums Klima - verhandelt wird vor allem über die Verteilung von aktuellem und künftigen Wohlstand. FTD.de zeigt Gewinner und Verlierer der Klimaökonomie in einer Serie
Gipfel in Kopenhagen:EU verspricht Soforthilfe fürs Klima
Exklusiv
Welches Ergebnis bringt Kopenhagen? Die Antwort auf diese Frage hängt auch von der Kompromissbereitschaft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ab. Die Europäer wollen beide mit einem Milliardenangebot zusammenbringen.
von Reinhard HönighausBrüssel,
Sabine MuscatWashington und Christiane v. Hardenberg, Berlin
Mit einer milliardenschweren Hilfszusage für Entwicklungsländer will die EU andere Geberstaaten beim beginnenden Weltklimagipfel zu Zugeständnissen bewegen. Nach FTD-Informationen ist das Geld als Anschubfinanzierung für die Jahre 2010 bis 2012 gedacht.
Es könnte für Dämme gegen Überschwemmungen in Küstenregionen oder den Aufbau von Verwaltungsstrukturen für spätere Hilfen eingesetzt werden. Beim parallel zur Klimakonferenz tagenden EU-Gipfel ab Donnerstag wollen die 27 Staats- und Regierungschefs die Zusagen vereinbaren. Diplomaten zufolge dürfte der Betrag zwischen 1 und 3 Mrd. Euro liegen.
Die Goodwillaktion der Europäer ändert allerdings nichts daran, dass die wesentlichen Streitfragen zum Auftakt der Kopenhagener Konferenz noch ungelöst sind. So will sich der schwedische EU-Ratspräsident Fredrik Reinfeldt vorerst auch nicht auf langfristige Zusicherungen an die Entwicklungsländer festlegen. Neben der EU zögern auch die USA und Japan mit konkreten Finanzzusagen über 2012 hinaus. Auch die Frage, ob sich die Europäische Union auf den Ausbau ihres Treibhausgasminderungsziels von 20 auf 30 Prozent verpflichtet, soll erst am Ende der Kopenhagen-Konferenz entschieden werden. Der Gipfel endet am 18. Dezember.
Baum für Kopenhagen: Mit der Installation "Ghost Forest" demonstrierten Klimaschützer in Dänemarks Hauptstadt gegen die Abholzung des Regenwalds
Für Hoffnung unter Klimaschützern sorgte am Wochenende die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, Ende nächster Woche zum Finale des Gipfels nach Dänemark zu reisen - also zu den entscheidenden Verhandlungen. Er hoffe, dass Obama "ein ehrgeiziges amerikanisches Ziel" zur Minderung von Treibhausgasen mitbringe und starke finanzielle Unterstützung für Entwicklungsländer, sagte Uno-Klimachef Yvo de Boer am Sonntag in Kopenhagen.
Gipfel in Kopenhagen
Die Bilder der Klimakatastrophe
De Boer will in Kopenhagen 192 Staaten zu der politisch bindenden Entscheidung bringen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Dieses Ziel soll dann 2010 in einen Vertrag umgesetzt werden. Dazu müssten die Industriestaaten laut Weltklimarat IPCC ihre Kohlendioxidemissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken, bis 2050 um 85 Prozent. Schwellenländer wie China und Indien müssten das Wachstum ihrer Emissionen deutlich bremsen.
Die bisher vorgelegten Klimaziele der Industrie- und Schwellenländer reichen jedoch nicht, um die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Stattdessen steuere die Welt auf eine katastrophale Erwärmung um 3,5 Grad bis Ende des Jahrhunderts zu, teilten das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und die Beratungsfirma Ecofys am Freitag mit. Zum Vergleich: Seit der letzten Eiszeit hat sich die Erde um etwa fünf Grad erwärmt.
Kurz nach der Ankündigung Obamas gab auch der indische Regierungschef Manmohan Singh seine Teilnahme in Kopenhagen für den 17. und 18. Dezember bekannt. Bundesumweltminister Norbert Röttgen warnte unterdessen vor einem Scheitern der Klimakonferenz: "Wenn am Ende die Zwei-Grad-Grenze nicht Teil der Absprachen ist, ist Kopenhagen kein Erfolg", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag".
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